So erkennen Sie Fälschungen garantiert. Teil 3: Der Britische Sovereign

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Die ersten Sovereigns wurden im Jahre 1489 in England geprägt. Im Laufe der Zeit wurden die Sovereigns jedoch von anderen Münzarten aus dem Umlauf verdrängt. Erst 1817 wurde die Prägung der Sovereigns wieder aufgenommen; sie werden seitdem bis heute (mit einer Unterbrechung zwischen 1917 und 1957) geprägt.

Es wurde ein Standard festgelegt, welcher bestimmt, dass die Münzen aus 916er Gold hergestellt werden und das Bruttogewicht 7,98 Gramm betragen muss. Das Feingoldgewicht beträgt 7,32 Gramm. Der Durchmesser beträgt 22,05 mm. Die Legierung, aus welcher die Sovereigns geprägt werden, besteht aus den Materialmischungen Gold/Kupfer oder Gold/Kupfer-Silber. Die duale Zusammenstellung des Ausgangsmaterials führt zu den unterschiedlichen Farbtönen der Münzen.

Die neu geprägten Münzen haben fast immer eine einheitliche graphische Darstellung. Der Avers zeigt das Portrait der (damals) amtierenden englischen Königin/Königs mit dazugehöriger Beschriftung; der Revers zeigt den Heiligen Georg auf einem Pferd mit seinem Schwert, während er einen Drachen tötet. Die Bezeichnung der Prägestätte ist in der Mitte des Felsens zu finden, an welchem der Drache sichtbar liegt. Das Prägejahr steht direkt darunter. Der Randrevers ist von kleinen, viereckigen Kästchen umrandet.

Ausnahmen dieser Darstellung (ein Wappen statt des Heiligen Georgs; eine andere Platzierung des Prägeortes und das Münznominal) finden sich in den Prägungen aus der Zeit von Königin Victoria. Die Münzen wurden in 6 Städten geprägt, die sich aus den Münzzeichen erschließen lassen:

  • Ohne – London,
  • M – Melbourne,
  • S – Sydney,
  • C – Ottawa,
  • P – Perth,
  • SA – Pretoria (Südafrika),
  • I – Bombay nur 1918; 2013-2016 Delhi.

Der Sovereign: eine der begehrtesten Münzen – auch bei Fälschern

Wie jede Umlaufmünze wurden auch die Sovereigns gefälscht. Die Menge an Fälschungen, die sich im Umlauf befindet, ist sehr schwer einzuschätzen. Die grundsätzlichen Ursachen sind zum einem das Gebiet, in dem die Münzen kursierten (historisch bedingt ist sie nicht nur auf Europa beschränkt) und zum anderem, dass die Sovereigns sehr oft zum Materialwert gehandelt und als Materialmünzen betrachtet wurden. Das bedeutet, dass große Mengen an Münzen einfach eingeschmolzen wurden. Wie viele Fälschungen unter den echten Münzen waren, ist nicht nachvollziehbar.

Im Gegensatz zu anderen Münzen, deren Fälschungen mit Präge- und Gussmethoden hergestellt wurden, sind die Sovereigns meistens gegossen. Das betrifft nicht nur die älteren Exemplare, wie zum Beispiel Victoria oder Georg V., sondern alle Fälschungen, inklusive die Münzen, die in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gemacht wurden. Interessant ist die Tatsache, dass fast alle gegossenen Münzen einen mechanisch nachgearbeiteten Rand haben. Die Kerben werden nach dem Guss beigefügt. Das bringt dem Fälscher einige Vorteile. Die Nachbearbeitung des Randes, um den Durchmesser und das Gewicht an die Originalparameter anzupassen, ist dadurch einfacher und hinterlässt keine Spuren der mechanischen Behandlung. Außerdem sind die Stellen, an denen die Gusskanäle befestigt waren, nicht mehr sichtbar. Diese Methode hat aber auch einen Nachteil: Die Randschnitte unterscheiden sich – manchmal sehr deutlich – vom Original, weil sie nicht präzise gemacht sind. Das betrifft nicht nur die Tiefe, sondern auch die gesamte Form der Einkerbung.

Aus allen Münzen, die ich bisher als Fälschungen identifiziert habe, hat sich eine Systematik ergeben. Die am meisten kopierten Sovereigns sind Georg V. An zweiter Stelle kommen die Münzen, die Victoria mit der kleinen Krone zeigen, gefolgt von Edward VII. Victoria mit dem Schleier und Elisabeth II. habe ich ebenfalls öfters als Fälschung vorgefunden. Jede von dieser Gruppe hat viele Varianten. Sie unterscheiden sich in den Merkmalen, die auf eine Fälschung deuten können: Jahrgang, Prägeort und natürlich Qualität.

Fälschung konkret: Sovereign 1922 London

Als Beispiel habe ich eine interessante Fälschung genommen, die technisch gut hergestellt ist. Es handelt sich um eine Prägung mit mechanisch angeschnittenem Rand. Die Fälschung hat nicht viele Merkmale, die sie verraten können, trotzdem ist sie als Fälschung einfach zu identifizieren.

Bei der ersten optischen Betrachtung unterscheidet sich die Münze nicht deutlich vom Original. Die Oberfläche fühlt sich ein bisschen zu glatt an und der Randkreis ist relativ scharf, was bei einer Umlaufmünze von 1922 ungewöhnlich sein kann. Der Durchmesser beträgt 22,25 mm, das Gewicht 7,95 g.

Die Legierung der Münze zeigt folgende Elemente (oberflächlich gemessen; in %):

Au Ag Pt Pd Cu Fe W
93.6 0,097 0,02 0,005 6,32 0,019 0,064

 

Die elektrische Leitfähigkeit beträgt 9,6 MS/m bei 120 KHz.

Auf der Revers-Seite sind ebenfalls zwei Stellen, die Abweichungen von der Originalprägung zeigen.

Alle diese Merkmale sind deutlich und gut sichtbar, aber nur mit einer ca. 2- bis 4-fachen Vergrößerung.

Aber um festzustellen, dass die präsentierte Münze eine Fälschung ist, braucht man eigentlich nur in einen Katalog schauen. Die Sovereigns Georgs V. Jahrgang 1922 wurden nicht in London geprägt. Das bedeutet, dass auf der Münze eine Kennung für den Prägeort vorhanden sein sollte; ist sie aber nicht.

Fälschung konkret: Sovereign 1964

Das zweite Beispiel zeigt die Fälschung, die ich am seltensten angetroffen habe. Nachgemacht ist ein Sovereign von Elizabeth II. Mir sind nur drei Jahrgänge bekannt, die gefälscht wurden, und zwar 1958, 1964 und 1966. Der Jahrgang 1958 ist eine geprägte, auf sehr hohem Niveau erstellte Kopie, die sehr schwer zu bestimmen ist. Anders die Fälschungen des Jahres 1966. Die Exemplare – 1966 – gehörten bestimmt nicht zu der Sternstunde der Fälscher. Man muss auch sagen, dass diese Version sehr selten am Markt zu finden ist. Die Kopie mit dem Prägedatum 1964 ist die, die am häufigsten vorkommt.

Wann diese Fälschung hergestellt wurde, ist nicht feststellbar. Auf Grund der guten Gussqualität kann man vermuten, dass die Münze mit einer Vakuumgießanlage hergestellt wurde.

Die Fälschung gehört zur Gruppe der gegossenen Münzen mit einem mechanisch angeschnittenen Rand.

Die Legierung der Münze zeigt folgende Elemente (oberflächlich gemessen; in %):

Au Ag Cu Zn
4,49 0,14 67,1 28,3

 

Die Dichte beträgt 8,74 g/cm³ und die elektrische Leitfähigkeit 16,7 MS/m bei 120 KHz.

Der Durchmesser stimmt mit dem Original überein. Bei den Messungen der Stärke sind die Abweichungen sichtbar. Die echte Münze ist 1,36 mm stark, die Fälschung 1,56 mm.

Unabhängig vom Prägejahr sind alle Sovereigns auch heutzutage noch gültige Zahlungsmittel. Das ist ein zusätzlicher Grund, die Münzen mit besonderer Sorgfalt zu prüfen. Bei der Überprüfung von Parametern kann es zu gewissen Abweichungen kommen, je nach dem, was für eine Art von Fälschung man vor sich liegen hat und mit welchen Prüfgeräten die Messungen durgeführt werden. Es ist möglich, dass die Fälschungen der gleichen Herstellungsart kleine Unterschiede aufzeigen. Die Ursache dafür kann bei gegossenen Münzen die nicht homogene Legierung sein und bei geprägten Münzen die zusätzliche Behandlung der Oberfläche.

Wenn die gerade genannten Informationen Sie dazu motiviert haben, eigene Münzen zu prüfen, dann berücksichtigen Sie bitte, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass es beim Vergleich mit meinen Prüfergebnissen der physischen Parameter zu leichten Abweichungen kommen kann. Der Grund dafür kann unter anderem die Benutzung von anderen Prüfgeräten sein. Besonders bei der elektrischen Leitfähigkeit, der Legierungsanalyse und Dichtebestimmung kann es zu kleinen Differenzen kommen. Um die Parameter vergleichen zu können, berücksichtigen Sie bitte, dass ich alle meine Untersuchungen mit folgenden Geräten durchgeführt habe:

  1. Dichtebestimmung: Sartorius Analysenwaage
  2. Elektrische Leitfähigkeit: Sigmascope Gold C
  3. Zusammenstellung der Legierung: XRAY XAN 220

 

Wenn Sie wissen wollen, mit welcher Erfahrung der Autor sein Wissen weitergibt, lesen Sie den Who’s Who Eintrag zu Peter Zgorzynski.

In den früheren Teilen dieser Serie behandelt der Autor die Fälschungen des Schweizer Vrenelis und der österreichischen Dukaten.

Außerdem widmete er einen Artikel dem Thema Wolframfälschungen – für alle, die es ganz genau wissen wollen.

Mehr darüber, wie man Fälschungen erkennt, haben wir in einer vierteiligen Reihe erklärt, „Fälschungen erkennen – leicht gemacht“: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Auch NGC bemüht sich, den Kunden ein Instrument in die Hände zu geben, damit diese Fälschungen entlarven.