Swissmint – die eidgenössische Münzstätte im Kirchenfeld / Bern

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Am 2. Juli 1906 um 15 Uhr kam der gesamte Schweizerische Bundesrat, um den im Mai fertiggestellten Bau der neuen Münzstätte im Kirchenfeldquartier zu besichtigen. Damit übernahm der Bund offiziell seine neue Geldfabrik, die ihn immerhin 1.179.000 Franken gekostet hatte. Als Ort hatte man die heutige Bernastraße ausgewählt. Dort wurde den Landesvätern von einer privaten Immobilienfirma billigerer Baugrund angeboten, als ihn die Stadt Bern zur Verfügung hatte: Von städtischer Seite wollte man damals 25 Franken pro Quadratmeter Bauland haben, die private Firma war bereit, ihr Gelände gegen 15 Franken abzutreten.

Feldgottesdienst eines Walliser Bataillons auf dem Kirchenfeld. Im Hintergrund links die beinahe fertig gestellte Münzstätte. Einige Gerüste sind noch zu sehen. Foto um 1906. Burgerbibliothek Bern (Negativsammlung Stumpf).

Bereits 1893 hatte sich der Bund für den Bau einer neuen Münzstätte entschieden. Die alte Münzstätte, in welcher die Stadt Bern seit 1792 ihre Münzen hergestellt hatte, und die vom jungen Bundesstaat weiter benutzt worden war, war zu klein geworden. Und so reisten Paul Adrian (1858-1936), der damalige Direktor der Münzstätte, und Theodor Gohl (1844-1910), der verbeamtete Architekt der Direktion der eidgenössischen Bauten, nach Brüssel und Paris, um sich dort Anregungen für eine neue und moderne Münzstätte zu holen.

Der Eingang zur Swissmint von der Bernastraße aus.

Der Architekt Theodor Gohl war spezialisiert darauf, Bauten für staatliche Zwecke zu erstellen. Fast alle wichtigen schweizerischen Zentralpostämter, darunter das von Freiburg, Chur, Basel und Lugano, wurden von ihm entworfen. Im Kirchenfeldquartier stammen noch zwei weitere offizielle Bauten von ihm: Das Schweizerische Bundesarchiv und die Eidgenössische Landestopographie.

Blick in den Innenhof der Swissmint mit dem Eingang zum Fabrikationstrakt.

Münzstätten allerdings mußte Theodor Gohl nur eine einzige bauen – und hier stellte sich ihm das Problem, einen Repräsentationsbau mit einer voll funktionsfähigen Fabrik zu kombinieren. Gohl löste das Problem, indem er einen relativ nüchternen Industriebau um einen Innenhof gruppierte, der durch ein repräsentatives und mit vielen hübschen künstlerischen Details ausgestattetes Zentralgebäude zugänglich ist.

Detail aus dem Treppenhaus im Hauptgebäude der Swissmint: Ein gußeiserner Drache ziert einen Laternenpfahl im Zentrum der Wendeltreppe.

Damals wurde in der eidgenössischen Münzstätte nicht nur geprägt. Man stellte noch selbst die Schrötlinge her, aus denen durch die Prägung erst Münzen wurden. Die erste Station bei der Produktion von Münzen war dabei der Legierraum, in dem die richtige Legierung für die schweizerischen Münzen abgewogen wurde. Das Metall wurde vor Ort gelagert – die unedlen Stoffe draußen im Hof, die Edelmetalle hinter Panzertüren im Keller.

Blick in die Schmelze. Foto 1908. Burgerbibliothek Bern (Fotoalbum „Eidgenössische Münze“).

Danach wurde das Metall geschmolzen und in die sogenannten Kokillen gegossen. Wie wir uns diesen Vorgang vorstellen dürfen, zeigt ein im Jahr 1908 aufgenommenes Foto aus einer Serie, mit der die damals wesentlichen Produktionsschritte der Münzprägung dokumentiert wurden. Im Hintergrund kauert einer der Arbeiter an einem Gußofen mit schwenkbarem Ausguß. Das heiße Metall wurde von diesem Ofen in einen Gießtiegel gegossen und von dem Gießtiegel in die im Vordergrund bereitgestellten Gußformen, sog. Kokillen, praktiziert.

Beim Auswalzen des Zain. Foto 1908. Burgerbibliothek Bern (Fotoalbum „Eidgenössische Münze“).

Die damit entstehenden, länglichen Barren waren das Ausgangsprodukt für die Zaine, die mit riesigen Walzmaschinen in der benötigten Dicke hergestellt wurden.

Das Ausstanzen der Schrötlinge. Foto 1908. Burgerbibliothek Bern (Fotoalbum „Eidgenössische Münze“).

Aus diesen Zainen wurde mittels einer Lochstanze die Schrötlinge hergestellt. All diese Stücke wurden maschinell gewogen und diejenigen, die nicht das richtige Gewicht aufwiesen, abgeschabt, eine „Beschädigung“, die in Auktionskatalogen als „justiert“ bezeichnet wird. Nun mußte nur noch der Rand aufgestaucht werden. Außerdem war das Metall durch die vielen verschiedenen Produktionsgänge für eine Prägung zu hart geworden, so daß man es noch einmal weich glühte.

Blick in den Prägesaal: Friktionspressen. Foto 1908. Burgerbibliothek Bern (Fotoalbum „Eidgenössische Münze“).

Zwei verschiedene Sorten von Maschinen wurden 1908 in Bern eingesetzt: Refriktionspressen, eine Weiterentwicklung des Balanciers

Blick in den Prägesaal: Kniehebelpressen. Foto 1908. Burgerbibliothek Bern (Fotoalbum „Eidgenössische Münze“).

und Kniehebelpressen. Daß wesentlich mehr Kniehebelpressen als Refriktionspressen zu sehen sind, ist typisch für das Spektrum der Produkte einer staatlichen Münzstätte, in der vor allem Umlaufmünzen hergestellt wurden. Während diese schnell und effizient mit der Kniehebelpresse hergestellt werden konnten, brauchte es für das besonders hohe Relief von Medaillen die sauberer und mit höherem Druck arbeitende Refriktionspresse. Allerdings war die Prägung mit der Refriktionspresse wesentlich langsamer. Mit den frühen Kniehebelpressen, in denen der Schrötling noch per Hand eingelegt werden mußte, erreichte man immerhin eine Prägefrequenz von 80 bis 100 Stück pro Minute (heute ca. 600 Stück).

Beim Einpacken der Münzen. Foto 1908. Burgerbibliothek Bern (Fotoalbum „Eidgenössische Münze“).

Das Verpacken der Münzen war damals eine äußerst arbeitsintensive Tätigkeit. Im Hintergrund links sehen wir zwei Männer, die mittels Zählbrettern die erforderliche Münzzahl ermitteln und die Stücke in Becher schütten. Um den Tisch verpacken vier Frauen die abgezählten Münzen in Papierrollen.
Natürlich prägt die Swissmint heute nicht mehr mit diesen Maschinen. Gebäude und Technik wurde in den Jahren zwischen 1990 und 1992 vollständig renoviert, die Maschinen dem neuesten Stand der Technik angepaßt. Die Swissmint ist ein ISO-zertifiziertes Unternehmen. 21 Personen arbeiten heute, um die Schweizerischen Umlaufmünzen und Gedenkprägungen anzufertigen – und letztere zu verkaufen.
Mehr über die Swissmint unter http://www.swissmint.ch/

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