Warum Kambodscha ein französisches Protektorat wurde

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Kambodscha war gesegnet und verflucht durch den Mekong. Gesegnet, weil dieser unglaubliche Fluss den Tonle Sap speiste und speist, einen See, der selbst heute noch als eines der fischreichsten Binnengewässer der Welt gilt, und der mit seinem schier unerschöpflichen Wasserreservoir für die konstante Fruchtbarkeit des im 19. Jahrhundert in Kambodscha gelegenen Mekongdeltas sorgt, und es so zur Reiskammer Asiens macht. Verflucht war es, weil eben dieses fruchtbare Land den Neid und die Begehrlichkeit anderer, mächtigerer Nationen auf sich zog: Siam, das heutige Thailand, und Vietnam, sie beide wollten Kambodscha erobern. Denn seit dem 15. Jahrhundert hatten die Khmer immer mehr an Macht und Einfluss verloren, und das in so hohem Maße, dass sie eine leichte Beute gewesen wären, hätten sich ihre Nachbarn darüber einigen können, wer denn nun das Mekongdelta kontrollieren sollte.

Die Franzosen vor König Norodom I. von Kambodscha. Ein offizieller Empfang am 3. Juni 1864.

Ein Kompromiss, aber keine Lösung

Dieser Krieg hatte schon Ang Duong, den Vater von Norodom I., nach Bangkok vertrieben, wo er 27 Jahre als Gast und Geisel des siamesischen Königshofs die Geschichte seiner Heimat erforschte und publizierte; wo er heiratete, Kinder zeugte und zusah, wie der Krieg zwischen Vietnam und Siam sein Kambodscha zerstörte.

Norodom war bereits 14 Jahre alt, als sein Vater sich endlich als König von Kambodscha etablierte, und auch das nur, weil es zwischen Siam und Vietnam zu einem Patt gekommen war. Keinem der beiden war es gelungen, den anderen zu besiegen. Ein unabhängiges Kambodscha unter Ang Duong stellte für beide einen vorläufigen Kompromiss dar, einen Kompromiss, der genau so lange halten würde, bis entweder Siam oder Vietnam einen neuen Überfall wagte.

Eine neue Macht tritt aufs Parkett

Ang Duong wusste also, dass er einen klugen, gut ausgebildeten Nachfolger brauchen würde. Er schickte seine ältesten Söhne nach Bangkok, um dort zu studieren und in der Armee zu dienen. Und trotzdem, als Ang Duong bereits 1860 starb, gelang es seinem 26jährigen Sohn nicht einmal, sich krönen zu lassen. Die Siamesen besaßen die kambodschanischen Throninsignien und rückten sie nicht heraus. Dann brachen auch noch Unruhen aus, und Norodom blieb nichts anderes übrig, als wie sein Vater nach Bangkok zu flüchten.

Und währenddessen beschloss das französische Kaiserreich, in Cochinchina eine Kolonie zu errichten. Ein paar Dutzend französische Schiffe mit 3.000 Mann Besatzung eroberten 1859 Saigon und etablierten sich dort als neue Macht.

Damit gab es erstmals eine echte Alternative für Norodom. Er verhandelte mit den Franzosen, die nur zu gerne auf seine Avancen eingingen, schließlich bot ihnen ein Vertrag ein wunderbares Vehikel, um sich in Kambodscha zu etablieren. Am 11. August 1863 unterzeichneten beide Seiten eine Art Freundschaftsvertrag. Kambodscha blieb eine unabhängige Monarchie, gestand den Franzosen aber eine weitreichende Kontrolle über den Handel und die militärische Verteidigung des Landes zu, die vom französischen Résident Supérieur ausgeübt wurde.

Kambodscha. Norodom I. Piaster 1860, Paris. Sehr selten, besonders in dieser Erhaltung. PCGS MS64. Fast Stempelglanz. Taxe: 12.500,- Euro. Aus Auktion 339 (2020), Nr. 1258.

Eine Chance für Norodom – und Kambodscha?

In diesen historischen Zusammenhang gehört die in der Künker Auktion 339 am 29. September 2020 unter Losnummer 1258 angebotene Münze von Norodom I., die zwar auf das Jahr 1860 datiert ist, aber erst 1864 in Paris produziert wurde. Die auf der Münze genannte Jahreszahl bezieht sich auf den „offiziellen“ Herrschaftsantritt Norodoms direkt nach dem Tod seines Vaters. Sie zeugt von der Hoffnung Norodoms, mit Hilfe der Franzosen sein eigenes Land zu modernisieren, um so seinen Platz in der Welt zu sichern. Eine Währung nach europäischem Vorbild war dafür ein wichtiger Schritt.

Die Vorderseite zeigt den König von Kambodscha, Norodom I. Die Umschrift ist in französischer Sprache gehalten, unter dem Halsabschnitt lesen wir FACONNET für den Stempelschneider, der für das Porträt verantwortlich zeichnete. Auf der Rückseite sehen wir das Wappen von Kambodscha sowie den Nennwert der Münzen in drei Sprachen: Französisch, Spanisch und Kambodschanisch. Zentral ist das Wappen des Königreichs Kambodscha positioniert: Es besteht aus zwei übereinander stehenden goldenen Bechern, auf denen ein goldenes Schwert ruht, und ist umrahmt von zwei Lorbeerzweigen, an denen der Königliche Orden von Kambodscha hängt. Die strahlende königliche Krone bekrönt das Wappen.

Diese Münzen entstanden in einer viel zu kleinen Auflage, um für den Umlauf überhaupt eine Rolle zu spielen. Aber sie erinnern an eine anfänglich gute Zeit, in der viele Reformen durchgeführt wurden. Verwaltung und Rechtsprechung wurden reformiert, Handelsmonopole und Sklaverei abgeschafft, die Kosten für das Königshaus drastisch reduziert. Norodom förderte den traditionellen Tanz und die bildenden Künste. Ja, die Franzosen ermöglichten es sogar, dass Norodom 1868 gekrönt wurde, und zwar mit den richtigen Regalien, die Siam gezwungenermaßen hatte herausgeben müssen.

Der große Umzug zur Verbrennung des Leichnams von Norodom I. im Jahr 1906, zwei Jahre nach seinem Tod.

Ein schnelles Ende

Doch natürlich hatten auch die Franzosen ihre Agenda, nämlich ein eigenes Kolonialreich in Südostasien, das sie nach Herzenslust ausbeuten konnten. Sie gründeten im Jahr 1887 Cochinchina. Norodom blieb zwar nominell König von Kambodscha, aber ohne eigene Macht. Er starb 1904 und konnte nicht einmal durchsetzen, dass sein Sohn ihm auf den Thron folgte. Der war den Franzosen zu intelligent und in den heimatlichen Salons der Hauptstadt Paris zu bekannt.

Einen Kronprinz, der die Sklaverei öffentlich im Figaro mit den Worten verteidigte: „Wir haben unsere Sklaven. Aber eure Arbeiter haben die Freiheit zu verhungern.“, den konnte man ja schließlich nicht mit der delikaten Aufgabe, ein Land zu regieren, betrauen.

 

Hier lesen Sie den ausführlichen Vorbericht der Auktion, in der diese Münze versteigert wird.

Und in diesem Film können Sie mehr über den französischen Einfluss in Kambodscha erfahren.

Hier erzählen wir übrigens die Geschichte von Cochin-China.

Das ist die passende Literatur, falls Sie sich für Münzen und Jetons des französischen Indochina interessieren.

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