Was die Welt geprägt hat: Luxemburg

Voller Stolz widmete Luxemburg 2014 seine 2-Euro-Gedenkmünze der 175-jährigen Unabhängigkeit des Grozherzogtums.
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Seine Königliche Hoheit Henri, Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau, Prinz von Bourbon-Parma, Graf von Sayn, Königstein, Katzenelnbogen und Dietz, Burggraf von Hammerstein, Herr von Mahlberg, Wiesbaden, Idstein, Merenberg, Limburg und Eppstein, ist auf der nationalen Seite aller Euros des Großherzogtums Luxemburg abgebildet. Er löste am 7. Oktober 2000 seinen Vater Jean im Amt ab.

Solche 1-Frang-Stücke wie das von 1981 wurden keineswegs jedes Jahr in großen Mengen ausgegeben, da kleine Länder in der Regel keinen so großen Bedarf haben wie große. Noch Anfang der 1990er Jahre war der Bedarf an 1-Frang-Stücken auf viele Jahre gedeckt – bis der Euro kam. Foto: Maksim / CC BY-SA 3.0

Kleine Länder prägen nicht jedes Jahr

Wir sind es mittlerweile gewohnt, daß jedes Jahr Kursmünzen erscheinen, auf denen das Jahr ihrer Prägung angeben ist. Dies ist historisch gesehen eine relativ neue Erscheinung. Jahrhundertelang wurde ausschließlich dann geprägt, wenn für den Staat ein Bedarf an Münzen bestand. Wenn das Material und die Herstellung im Verhältnis zum Schlaggewinn zu teuer waren, verzichtete man lieber und nahm es in Kauf, daß es innerhalb der Bevölkerung zu Engpässen in der Münzversorgung kam. Berühmt ist zum Beispiel der Kleingeldmangel in England am Ende des 18. Jahrhunderts, der zur Prägung von privaten Tokens führte, die zum Buntesten und Interessantesten gehören, was die Numismatik aufzuweisen hat.

Auch Luxemburg gab vor der Einführung des Euro nicht jedes Nominal jedes Jahr neu heraus. So wurde zum Beispiel das 1-Frang-Stück nur in den Jahren 1988, 1989, 1990 und 1991 in größeren Mengen geprägt. Nachdem man 1989 3 Millionen, 1990 25 Millionen und 1991 10 Millionen Stücke hergestellt hatte, war der Bedarf für mehr als ein Jahrzehnt gedeckt. 1992-1995 gab es diese Münze lediglich in Kursmünzensätzen für Sammler, seit 1996 wurde die Herstellung der Kursmünzen völlig eingestellt.

Großherzog Jean von Luxemburg. Foto: Schnékert.

Ein neuer Herrscher – eine neue Währung

So kommt es, daß auf dem alten Frang der alte Herrscher, Jean von Nassau bzw. Johann I., dargestellt ist, während auf dem neuen Euro sein Sohn Henri bzw. Heinrich I. als Staatsoberhaupt auftritt.

Johann wurde 1921 als Sohn der herrschenden Großherzogin Charlotte geboren. Der Weltkrieg vertrieb die ganze Familie. Jean trat mit 21 Jahren in das britische Regiment der Irish Guards ein, das aktiv an der Befreiung der Normandie und Brüssels beteiligt war. Bei seinem Einzug in der Stadt Luxemburg wurde Jean von der Bevölkerung begeistert empfangen.

Großherzog Henri von Luxemburg. Foto: Aleph / CC BY-SA 3.0

Nach dem Krieg kehrte die luxemburgische Herrscherfamilie wieder in die angestammte Heimat zurück. Nach der Abdankung seiner Mutter im Jahr 1964 bestieg der 43jährige Jean den Thron. Die zurückhaltende, integrative Politik des Herrschers trug viel dazu bei, das kleine Land von einem Agrar- und Industriestandort zu einem modernen Dienstleistungszentrum mit zahlreichen internationalen Banken zu entwickeln, ganz zu schweigen davon, dass Luxemburg Ende der 60er Jahre zum zweiten Hauptsitz der Europäischen Gemeinschaft wurde.

Am 7. Oktober 2000 übergab Jean von Nassau die Herrschaft an seinen mittlerweile 45jährigen Sohn. Zu diesem Zeitpunkt stand die Umstellung der nationalen Währung auf den Euro bereits fest, so daß die neuen Euromünzen mit dem Porträt Henris geprägt wurden.

Ein machtloses Symbol des Staates?

Nur noch wenige Monarchien gibt es unter den Eurostaaten: Belgien und Monaco, die Niederlande und Spanien, nicht zu vergessen der Vatikan. Nicht alle Staaten stellen in ihrer Münzprägung den Landesherrscher in den Mittelpunkt. So haben zum Beispiel Monaco und Spanien nur die höchsten Werte für das Herrscherporträt reserviert.

Ob die Abbildung die tatsächliche Bedeutung des Herrschers für sein Land wiederspiegelt? Henri jedenfalls ist seit 2008 praktisch entmachtet. Er hatte Ende des Jahres 2008 dem luxemburgischen Premierminister mitgeteilt, daß er aus Gewissensgründen das vor der Abstimmung stehende Euthanasie-Gesetz nicht unterzeichnen und damit gültig machen werde. Daraufhin verständigten sich die Parteien des Landes darauf, die Verfassung zu ändern. Dem Großherzog wurde das Recht genommen, Gesetze zu bestätigen. Er hat nun nur noch die Aufgabe, sie zu verkünden.

Doch wo die politische Macht endet, beginnt die wirtschaftliche. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes schätzte 2006 Henris Privatvermögen auf beeindruckende 4,6 Milliarden Euro. Neuere Statistiken sehen ihn allerdings weit abgeschlagen hinter seinen Kollegen aus dem Nahen und Fernen Osten. So kommt Henri nicht einmal mehr auf einen der ersten 15 Ränge.

Wie auch immer, Luxemburg fühlt sich seinem Staatsoberhaupt verbunden. Und das kann man auf den alten und den neuen Münzen sehen.

 

Luxemburg hat eine vorbildlich in mehrere Sprachen – auch Deutsch – übersetzte Website zu seinem politischen System, dem Großherzog, den Staatssymbolen und vielem mehr.

Großbritannien ist zwar kein kleines Land, hat aber offenbar ähnliche Produktionsrhythmen, denn zur Zeit hat es ebenfalls Unmengen Münzen angehäuft …

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