Was uns Notre-Dame de Paris bedeutet

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Am 18. und 19. November 2019 finden in Genf die beiden Auktionen von Numismatica Genevensis statt. Unter Losnummer 706 wird ein ganz besonderes Stück versteigert. Es handelt sich um eine Goldmedaille, die anlässlich der Fertigstellung der Renovierungen von Notre-Dame de Paris im Jahr 1864 geprägt wurde.

Goldmedaille anlässlich der Renovierung der Kathedrale von Notre-Dame de Paris aus dem Jahr 1864, geschaffen von Oudiné. Aus Auktion Numismatica Genevensis 12 (18. und 19. November 2019), Nr. 706.

Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass es der Architekt Viollet-le-Duc persönlich war, der diese Medaille von Napoleon III. in Anerkennung seiner Dienste erhielt. Dr. Alain Baron, Gründer von Numismatica Genevensis, hat dies zum Anlass genommen, mit dem Verkauf der Medaille ein zweites Mal der Kathedrale von Notre-Dame de Paris zu helfen. Die vollständige Kommission dieser mit 50.000 CHF Startpreis versehenen Medaille wird der Fondation Notre Dame für ihr Restaurierungsprojekt gestiftet.

Notre Dame de Paris: Ansicht aus dem Jahr 1776.

Warum die erste Renovierung von Notre-Dame unsere Welt veränderte

700 Millionen Francs an Reparationen musste Frankreich nach dem Ende der Herrschaft Napoleons zahlen. Dies leistete das Land in Rekordzeit. Um das zu schaffen, stellte es mit atemberaubender Geschwindigkeit seine Wirtschaft um: Von einem Land, in dem die Bauern das Gros der Bevölkerung stellten, entwickelte sich Frankreich zu einem der Vorreiter in Sachen Industrialisierung.

Dies hatte natürlich seine Auswirkungen auf die großen Städte, vor allem auf Paris. Immer mehr Menschen zogen in die Stadt, immer größere Teile des mittelalterlichen Stadtkerns wichen modernen Mietskasernen, Fabrik- und Verwaltungsgebäuden. Ohne Rücksicht auf ihren historischen oder künstlerischen Wert wurden Teile der Jahrhunderte alten Bausubstanz abgerissen.

Der Schriftsteller Victor Hugo beobachtete auf seinen täglichen Spaziergängen, wie sich seine Stadt veränderte. Im Turm von Saint-Jacques-de-la-Boucherie hatte ein Hersteller von Gewehrkugeln seine Fabrik einquartiert. Im Kirchenschiff von Saint-Pierre-aux-Boeufs lagerten leere Fässer, in Saint-Benoit probte ein Theater. Notre Dame war derart baufällig, dass man Teile abreißen wollte. Entsetzt verfasste Victor Hugo einen Essay mit dem Titel „Guerre aux Démolisseurs“ – ohne großen Erfolg.

1828 trat ein Pariser Verleger an Victor Hugo heran, um ihn zu bitten, etwas im Stile des äußerst erfolgreichen schottischen Schriftstellers Walter Scott zu schreiben. Eine großartige Gelegenheit für Hugo, eine breite Öffentlichkeit für sein Anliegen zu gewinnen. So ist eigentlich nicht Quasimodo der Held in seinem Roman „Der Glöckner von Notre Dame“, sondern die Kirche und das mittelalterliche Paris, in dem sein Held seine Abenteuer bestehen muss.

Quasimodo auf dem Dach von Notre-Dame de Paris. Graphik von Luc-Olivier Merson (1846-1920).

Tatsächlich schaffte es der äußerst erfolgreiche Roman, eine Wende im Denken der Pariser einzuleiten. Sie verstanden, dass diese baufällige Kirche Notre-Dame etwas war, das man für die Nachwelt erhalten musste. 1844 wurde die Entscheidung getroffen, die großartige Kirche zu renovieren. Während Georges-Eugène Haussmann von Napoléon III. beauftragt war, ein modernes Straßennetz zu schaffen, sorgten die ersten Denkmalschützer der Geschichte, Viollet-le-Duc und Prosper Mérimée, dafür, dass die des Erhaltens würdigen Denkmäler dabei nicht abgerissen, sondern renoviert wurden.

Von Frankreich aus verbreitete sich die Idee des Denkmalschutzes in der ganzen Welt. Wenn unsere europäischen Altstädte nicht vollständig den modernen Bauten des 19. Jahrhunderts weichen mussten, dann verdanken wir das Victor Hugo, seinem Glöckner und der ersten Renovierung von Notre-Dame de Paris.

Eine Medaille aus dem Jahr 1864

1844 hatte Eugène Viollet-le-Duc seinen Entwurf für die Restaurierungsarbeiten eingereicht. Fast 4 Millionen Francs sollte der Bau kosten. Die Politiker waren empört und kürzten das Budget. Doch das genehmigte Geld war bereits 1850 aufgebraucht, ohne dass Entscheidendes geschehen wäre. Insgesamt musste die französische Nationalversammlung mehr als 12 Millionen Francs sprechen, bis Notre-Dame so rekonstruiert war, wie wir es heute kennen. Übrigens, die meisten Statuen sind Erzeugnisse des 19. Jahrhunderts. Auch die Wasserspeier mit ihren Fledermausflügeln und abschreckenden Visagen entstanden erst während der Renovierung durch Viollet-le-Duc.

1864 feierte man die Fertigstellung der Renovierungsarbeiten. Die Medaille, die bei Numismatica Genevensis angeboten wird, wurde aus diesem Anlass geprägt. Stolz verkündet sie in ihrer Umschrift auf der Rückseite, welche großen Könige für ihren Bau verantwortlich waren: Begonnen unter Ludwig dem Jüngeren, fertiggestellt unter Philippe Auguste, erweitert unter dem hl. Ludwig und Philipp dem Schönen. Noch größer aber ist der Name dessen geschrieben, der zur Zeit der Renovierung herrschte: Napoleons III. Er zeichnete mit seinem Justiz- und Kultusminister Pierre Jules Baroche für die Baumaßnahmen verantwortlich. Neu geweiht wurde Notre Dame von Georges Darboy, Erzbischof von Paris. Ihr Architekt aber war Viollet-le-Duc. Er hat sich durch die Renovierung der Kathedrale ein ewiges Andenken geschaffen.

Dieses Erbe ist Verpflichtung

So stolz die verantwortlichen Politiker auch gewesen sein mögen, Notre-Dame gehört nicht ihnen, sondern allen Franzosen und der ganzen Welt. Notre-Dame ist ein internationales Symbol dafür, dass wir die Kunstwerke unserer Vergangenheit schützen und erhalten müssen, um sie für unsere Nachkommen zu bewahren.

Numismatica Genevensis ist sich dieser Verantwortung bewusst und möchte mit seinem kleinen Beitrag an diesem großen gemeinschaftlichen Werk mitwirken. Christophe-Charles Rousselot, Director General der Fondation Notre Dame, sagte dazu: „Alles kann passieren! Stellen Sie sich vor, der glückliche Käufer würde in einer Geste des Wohlwollens und im Interesse der Allgemeinheit diese einmalige Medaille dem Schatzmuseum der Kathedrale schenken, das bald wieder eröffnen wird… Es ist ein großartiges Projekt, das wir nicht für möglich gehalten hätten. Es ist ein wunderbares Symbol der Hingabe an die Geschichte des Bauwerks und unser aller Hoffnungen, dass wir die Kathedrale bald wieder betreten können.“

 

Einen ausführlichen Auktionsvorbericht lesen Sie in der MünzenWoche.

Mehr zur Stiftung finden Sie auf der Website von Fondation Notre-Dame.

Und das hier ist die Seite von Numismatica Genevensis.

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