Hunt, Nelson Bunker (1926-2014)

    Diadumenian (als Caesar, 217-218). Aureus, 218. Ex Hunt Collection. Aus Heritage Auctions Auktion 3066 (2018), 30120.
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    von Hadrien Rambach

    Bunker Hunt und sein Bruder William Herbert Hunt (geb. 1929) waren die Söhne eines Magnaten, der die Firma Placid Oil gegründet hatte. Bunker war in das Familienunternehmen eingestiegen und hatte Ölfelder in Libyen erschlossen, die er später nach der Machtübernahme durch Oberst Gaddafi verlor.

    Die beiden Brüder begannen ab den 1970er Jahren auf dem Silbermarkt zu spekulieren und versuchten, den Markt zu beherrschen, was dazu führte, dass sie bis 1979 schätzungsweise einhundert Millionen Feinunzen besaßen. Im März 1980 stürzte der Silberpreis ab. Die Brüder erlitten große Verluste, als der Silbermarkt im Rahmen des so genannten „Silver Thursday“-Skandals zusammenbrach und sie ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten, nachdem die COMEX beschlossen hatte, die Regeln für die Hebelwirkung beim Kauf von Rohstoffen auf Marge zu ändern. Obwohl sie zeitweise von einem Bankenkonsortium gerettet wurden, das zur Bewältigung der Situation eingeschaltet wurde, verloren die Brüder in dieser Affäre über eine Milliarde Dollar. Der endgültige Schlag kam 1988, als sie 134 Millionen Dollar Entschädigung an eine peruanische Bergbaugesellschaft zahlen mussten und N.B. Hunt im September 1988 Konkurs anmelden musste. 1989 einigte er sich mit der U.S. Commodity Futures Trading Commission auf eine Geldstrafe von zehn Millionen Dollar, zusätzlich zu anderen Sanktionen. Trotz des Konkurses konnten beide Brüder Ölgesellschaften behalten, die durch ein Treuhandsystem vor ihren Gläubigern geschützt waren und einen Wert von jeweils über 150 Millionen Dollar hatten. Im Jahr 2013 wurde W.H. Hunt erneut in den Bloomberg Billionaires Index aufgenommen mit einem Vermögen von schätzungsweise 4,2 Milliarden Dollar, das er dem Verkauf von Petro-Hunt llc an die in Houston ansässige Halcon Resources Corp. verdankte.

    Nachdem die Hunt-Brüder in Konkurs gegangen waren, veranstaltete Sotheby’s New York 1990 zwei Versteigerungen antiker Münzen. Aber das Material füllte noch weitere Auktionen.

    Bunker Hunt begann 1979 mit dem Kauf von Münzen, nachdem er Bruce McNall, den Gründer von Numismatic Fine Arts, durch die Pferdezucht kennen gelernt hatte. McNall überzeugte ihn bald, für 16 Millionen Dollar die Münzsammlung des Filmproduzenten Sy Weintraub (1923-2000) zu kaufen – das Vierfache von dem, was Weintraub dafür gezahlt hatte. Die Summe wurde zur Hälfte in bar und zur Hälfte in Rennpferden bezahlt. William war nicht weniger ehrgeizig als sein Bruder: Während Bunker seine Ambitionen auf dem Silbermarkt auslebte, plante William, alle byzantinischen Goldmünzen der Welt zu kaufen. Die Brüder Hunt waren sehr ungewöhnliche Sammler, da sie den Aufbau ihrer Sammlung fast vollständig ihren Beratern bei der NFA anvertrauten. Nach mehreren Geldstrafen und dem Konkurs veranstaltete Sotheby’s New York im Juni 1990 zwei Auktionen mit antiken Münzen, zwei weitere im Dezember 1990 und zwei letzte im Juni 1991. Die Kunden waren nach dem Kennenlernen bei dem Galadinner vor der ersten Auktion überrascht, wie wenig die Brüder über ihre eigenen Münzen wussten. Für sie war die Zucht von Rennpferden ein größeres Geschäft als Münzen: Als ihre Gläubiger sie konfrontierten, verkaufte Bunker Hunt seinen Stall im September 1987 für 47 Millionen Dollar. Ein dritter Bruder, Lamar Hunt (1932-2006), spekulierte ebenfalls auf dem Silbermarkt, beschäftigte sich aber nicht mit Münzen.

    Ptolemäische Könige von Ägypten. Berenike II., Ehefrau von Ptolemaios III. Dekadrachme, ca. 244/3-221 v. Chr. Ex Sammlung Hunt. Aus Classical Numismatic Group Triton XIX (2016), 2103.

    McNall schrieb, dass Hunts Wunsch, Münzen zu kaufen, aus einem Misstrauen gegenüber „Papiergeld“ resultierte. Dieses Misstrauen wurde durch die Angst vor einer „kommunistischen Übernahme der Vereinigten Staaten mit Hilfe einer jüdischen Verschwörung innerhalb der Regierung“ verursacht. Wenn man die Entwicklung der Münzpreise beurteilen will, muss man auch die damalige Weltwirtschaft berücksichtigen. So lässt sich der überraschend große Erfolg einer Auktion wie der des „Kunstfreundes“ von Gilet durch eine Inflation von 11 % pro Jahr erklären, die die Anleger dazu veranlasste, nach Sachwerten zu suchen. Auf dem Höhepunkt des Huntschen Silberkaufrausches hatte die Inflation fast 20 % im Jahr erreicht.

    Bibliografie:

    • Bruce McNall, Fun while it lasted, New York 2003, pp. 53 sqq.
    • Hadrien Rambach, “Provenance glossary”, in Numismatica Ars Classica, Auction 91: the George W. La Borde collection of Roman aurei – part I, Zurich, 23 May 2016, pp. [67]-[79].
    • Hadrien Rambach, “Provenance glossary”, in Numismatica Ars Classica, Auction 99: the George W. La Borde collection of Roman aurei – part II, Zurich, 29 May 2017, pp. 47-63.
    • Hadrien Rambach, “Provenance glossary”, in Numismatica Ars Classica, Auction 105: the George W. La Borde collection of Roman aurei – part III, Zurich, 9 May 2018, pp. 82-105.

     

    Dieser Artikel wurde erstmals in einem Katalog des Auktionshauses Numismatica Ars Classica veröffentlicht.