Wo finde ich Euro-Münzen anderer Staaten im Umlaufgeld?

Auch wenn man noch so Ausschau hält und täglich die Portemonnaies von Familienangehörigen und Freunden nach ausländischen Cent- und Euromünzen durchsuchen darf, kommt man irgendwann an die Grenzen des Machbaren. Was dann? Nun, auch wenn uns aktuell der Virus COVID-19 so manchen Strich durch die geplanten Reisepläne macht, gibt es immer noch genug Quellen, die man anzapfen kann, um sich noch fehlende Stücke für die Sammlung zu beschaffen. Welche Münzquellen man kontaktarm und natürlich mit vorgeschriebenem Mindestabstand ausschöpfen könnte, möchte ich Ihnen im folgenden Beitrag zeigen. Zunächst brauchen Sie etwas Zeit zum Überlegen. Wenn wir auf spannende Euromünzen-Schatzsuche gehen wollen, sollten wir unsere Umgebung genau kennen und vorab analysiert haben.

Flughäfen, Bahnhöfe und Kioske sind Goldgruben

An Flughäfen, Bahnhöfen und Kiosken sind wir schon einmal goldrichtig, denn die meisten Geschäfte an solchen Orten, sind oft der erste Anlaufpunkt der Ankömmlinge, um Geld auszugeben. Ich selbst trinke dann meist einen Kaffee und versuche mit den Verkäufern ins Gespräch zu kommen. Nicht immer leicht, aber es sollte einen Versuch wert sein. Wählen Sie dazu eine Zeit am Abend, wenn es etwas ruhiger geworden ist. Die Leute hinter dem Kaffeeautomaten sind dann weniger beschäftigt und oftmals dankbar, für jede Abwechslung. Ich sage den Leuten immer gleich, dass ich ein Münzsammler bin und nach bestimmten Stücken Ausschau halte. Das weckt fast immer großes Interesse. Offenbar weil ein jeder neugierig aufhorcht, wenn es um Geld geht. Die Brücke ist meist schnell geschlagen und wenn die Bedienung hinter der Theke dann selbst beginnt, in der Schublade nach fremden Euromünzen zu suchen, haben wir unser Ziel schon fast erreicht. Auch dieser Mensch ist neugierig geworden und gespannt, was sich so alles in seinem Wechselgeld finden lässt. Wenn Sie dann noch jede hochgehaltene ausländischer Münze sofort bestimmen können, ist oft großes Staunen vorprogrammiert. Vorwissen ist eben alles. Kommen Sie dann dort öfters vorbei, sind Sie bald der alte Bekannte. Mir ist es schon vorgekommen, dass man mir bei einem Besuch eine Handvoll Münzen auf den Tresen legte und dazu sagte, „Hier, die habe ich für Sie aufgehoben, ist etwas Interessantes dabei?“ Großartig! Eingetauscht wird bei mir immer 1:1 und ist etwas „Besonderes“ dabei, kann mein Trinkgeld auch einmal großzügig sein. Solche Dinge funktionieren grundsätzlich auch mit Mund- und Nasenbedeckung, also keine Scheu.

Interessant: drehende Sterne auf Euromünzen

Um Interesse zu wecken, sollte man seinem Gegenüber konkret sagen, was man sucht. Bei mir wirkte immer die Suche nach Euromünzen mit „drehenden Sternen“. Wenn man dann noch erzählt, dass solche Stücke bis zu mehreren tausend Euro wert sein können, ist das Eis meist schon gebrochen. Alle bisher bekannten Münzen mit drehenden Sternen aus der damaligen Nullserie wurden bekanntlich im Umlaufgeld gefunden und warum sollten Sie nicht auch einmal Glück haben?

Spendenkassen in Apotheken und Drogerien

Auch in Apotheken und Drogerien hilft eine freundliche Anfrage. Mit der Zeit hat man sich selbst dann schnell an die oft etwas verblüfften Gesichter, die es garantiert zunächst nach unserer Fragerei gibt, gewöhnt. Alles kann zur Routine werden. Mit etwas Glück darf man dann die Spendendosen nach seltenen Stücken oder auch Fehlprägungen durchsuchen. Zum Dank wandert anschließend immer ein Euro als Spende von mir in die durchsuchte Kasse. Finden sich dabei einige interessante Stücke, werden diese eingetauscht. Trotzdem sollte man dann auch „Farbe bekennen“ und kurz erklären, was man denn da gefunden hat. Das sollte für uns Sammler allerdings kein Problem sein. Ob Sie es mir glauben oder nicht, in einem Drogeriegeschäft bei uns im Ort fand ich im Jahre 2011 schon einmal ein 50-Centstück aus dem Vatikan. Ähnlich erging es mir mit Lettland. Fast alle acht Umlaufmünzen konnte ich aus einer Spendendose 1:1 eintauschen. Es fehlte nur noch das 1- und 2-Eurostück, doch der Grundstein war bereits gelegt. Bei einem späteren Besuch fand ich dann noch weitere Stücke aus Lettland und konnte zwei schon etwas angegriffene Münzen aus meiner Sammlung austauschen. Billiger geht es nicht.

Ausbeute eines Musikanten in der U-Bahn. Foto: Angela Graff.

Tausch auf der Straße

Da ich in der Nähe von Berlin wohne, benutze ich oft die U- oder S-Bahn, um in die City zu kommen. Unterwegs gibt es eine Menge Bahnhöfe, auf denen es oft recht musikalisch zugeht. Straßenmusikanten gibt es in der Berliner Innenstadt fast an jeder Ecke und nicht selten ist deren Musik gar nicht die schlechteste. Mich interessieren aber eher die kleinen Spenden, welche die Leute im Vorbeigehen in den offenen Geigenkasten werfen. Denn auch hier könnten numismatische Schätze dabei sein. Die Musiker selbst sind dabei eher am nominalen Wert und weniger an der großen Ländervielfalt der Euros interessiert. Und genau dort setze ich an und frage ganz höflich während einer musikalischen Pause nach. Nicht selten kommt es dann zu einem längeren Gespräch und wir sprechen dabei über Gott und die Welt. Auch hier habe ich meine „Stammkunden“, die sich schon echt Sorgen machen, wenn ich eine längere Zeit nicht dort gewesen bin. Übrigens, die Berliner Musikanten auf den Bahnhöfen haben alle eine Lizenz zum Musizieren, für die sie regelmäßig bezahlen. Für die Freundlichkeit, dass ich in dem verdienten Geld nach Schätzen suchen darf, ist mir die Einladung zu einer Currywurst oder einem Kaffee eine Ehrensache. Denn irgendwo sind wir ja fast Kollegen. Er gab vor Corona noch Musikunterricht, spielte am Theater und spart schon lange für eine Reise nach Australien. Ich dagegen bin nur ein leidenschaftlicher Sammler, der überlegt, wie er am besten an fremde Euromünzen kostengünstig herankommt. „Auch nicht schlecht, machst dir wenigstens ‘nen Kopp“, sagte mein Musiker und spielte zur Abwechslung die Gitarre mit Mundharmonika. Westernstimmung am Alexanderplatz.

Auch der berühmte Teller auf einer Toilette kann voller Schätze sein. Foto: Angela Graff.

Fragen Sie ruhig auch einmal bei der Toilettenfrau nach

„Eemal müssen, müssen ‘se alle eemal!“, soweit die Weisheit einer noch von Menschen bewirtschafteten Toilette mitten in Berlin. Wo? Verrate ich nicht! Denn hier wird noch mit Münzen bezahlt und nicht ein Automat gefüttert. Notfalls werden hier auch noch Knöpfe angenäht oder wenigstens Nadel und Faden verliehen. Der berühmte Teller dort gleich am Eingang auf dem Hocker könnte wieder eine kleine Schatzkammer sein. Also, ich gehe gern dahin, auch wenn ich nicht muss. Einen kessen original Berliner Spruch gibt es hier garantiert gratis geliefert. Die Dame dort kennt mich schon recht gut und nennt mich „John Rockefeller“. Natürlich wird geplauscht und man erfährt das neuste aus dem „Untergrund“ (Untergrund = weil die Toilette im Kellergeschoss ist). „Na klar, darfste dir die Piepen ankucken, aber nich schummeln mit Elken (Elke), denn der Euro steht heute ausnahmsweise jut.“ Also hingesetzt und schnell die „Pinkelgroschen“ von Elke kontrolliert. Elke vom Klo spricht praktisch immer und fast ohne Luftholen. „Kieken se nich so Herr Geheimrat, der Olle der dort sitzt und Geld zählt ‘is von de Sitte und macht Kontrolle bei mich. Ja, na klar Männeken, ick nehme och Dollars!“ Es ist oft zum Totlachen, doch hat es sich am Ende gelohnt, denn das 20- und 50-Centstück aus Malta begleitet mich später die Treppe hoch ans Tageslicht. Unten hört man Elke schimpfen: „Verdammte Jöhren, habt ihr keene Mutter? Dann geht doch bei die!“ Köstlich dieser Berliner Mutterwitz. Nur die Sachsen sind noch besser!

Internetanbieter oder Internetauktionen

Umsehen im Internet lohnt sich ebenfalls, man erfährt dabei viel über die aktuellen Preise. Es wird sicherlich nicht ausbleiben, dass man sich noch fehlende Stücke auf dem Zweitwege beschaffen muss. Fragen kostet auch hier nichts. Hat man erst einmal Kontakt zum Verkäufer geknüpft, dann kann man dort anfragen, ob er nicht noch „zufällig“ eine prägefrische 2-Euromünze seines Landes aus dem Jahr X zur bestellten Lieferung mit beilegen kann. Meist wird man dazu bereit sein – und Sie überweisen dem Verkäufer einfach 2-Euro mehr. Das sollte wirklich kein Problem sein. Eventuell entwickelt sich dabei sogar eine Münzfreundschaft oder Sie können dem Sammler beim Beschaffen von deutschen Euromünzen behilflich sein.

Fazit

Wichtig ist vor allem die Bereitschaft zur Kommunikation, wir könnten wirklich in dieser Beziehung alle etwas mehr zusammenrücken, ohne uns gleich gegenseitig anzustecken. Gehen Sie stets mit dem Vorsatz „Fragen kostet nichts“ ans Werk. Viele werden Ihr Anliegen verstehen oder sogar interessiert hinterfragen. Kommunikation ist alles und haben Sie dabei keine Scheu vor fremden Sprachen. Im Internet gibt es ausgezeichnete kostenlose Übersetzungsprogramme, die man unbedingt benutzen sollte. Drucken Sie sich dann die Übersetzung in der jeweiligen Landessprache aus. Damit kommen Sie garantiert weiter. Glauben Sie mir, ob auf den Messen in der Tschechischen Republik oder auch in Italien, meine „Zettelwirtschaft“ hat mir schon oft weitergeholfen, wenn mir die entsprechende Landessprache nicht so recht über die Lippen ging. Bei einer schriftlichen Anfrage sind solche kostenlosen Übersetzer aus dem Internet ebenfalls Gold wert. Probieren Sie es einfach einmal aus. Hauptsache ist doch am Ende, man erreicht sein Ziel. Denn wie sagt schon ein uraltes Sprichwort: „Viele Wege führen nach Rom.“

Was wäre alles Sammlerglück ohne eine gute Portion Sammlerlatein? Denken Sie auch einmal an später, wenn Sie Ihren Enkeln erzählen, auf welche Weise Sie an dieses oder jenes Stück gekommen sind. Sie können dann von sich behaupten: „Umwege ja, aber ich habe es geschafft!“

 

Mehr über unseren Autor numiscontrol, alias Reiner Graff, erfahren Sie in unserem Who’s Who.

Besonders beliebt sind zudem seine Beiträge „1871-1909: Zeit der Fälschungen“, „Die Wertentwicklung der ersten Euromünzen des Vatikans“ und „Unentdeckte Schätze bei Umlaufmünzen“.

Der Sammelexperte hat es sich zur Aufgabe gemacht, gerade Anfänger an die Welt der Münzsammlungen heranzuführen – hier finden Sie seine „Grundlagen für Sammler“ sowie seine Serie „Münzpflege leicht erklärt“.