Erinnern Sie sich noch an die Starterkits?

Die deutschen Euro-Starterkits kamen aus allen fünf Prägestätten. Foto: Angela Graff.
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Obwohl es noch weitere Namen für diese Beutel gab – die Bundesbank benutzte beispielsweise im Jahre 2000 noch die Bezeichnung „Münzhaushaltsmischung“ – hat sich im Laufe der Zeit der Name „Starterkit“ durchgesetzt. Werfen wir einen Blick auf die Informationen zum Starterkit.

Infos zum Starterkit (Deutschland)

Die kleinen Plastiktüten mit 20 Euro-/Cent-Münzen im Wert von 10,23 Euro wurden von den Kreditinstituten ab dem 17. Dezember 2001 gebührenfrei für 20 DM abgegeben. Die fünf deutschen Prägeanstalten (A, D, F, G, J) stellten insgesamt 53.542.150 Starterbeutel her. Inhalt eines Starterbeutels war: 1 x 1 Cent, 1 x 2 Cent, 2 x 5 Cent, 3 x 10 Cent, 4 x 20 Cent, 4 x 50 Cent, 3 x 1 Euro und 2 x 2 Euro. Alle offiziellen Kits wurden in schwarzer Farbe mit der Länderbezeichnung, dem Bundesadler und dem Nominalwert bedruckt. Eine einheitliche Beutelgröße gab es offenbar nicht, denn das Starterkit aus Hamburg (7,0 cm x 8,5 cm) ist auffällig kleiner die der anderen Städte. Auch für die Gestaltung des Bundesadlers gab es keine Richtlinie. Die Prägeanstalt Hamburg (J) benutzte für den Bundesadler nachweislich eine ausgefüllte Form, wogegen alle anderen Prägestätten eine offene Form mit stilisiertem Federkleid wählten.

Totgesagte leben länger

Auch heute sind die Starterkits der fünf deutschen Prägestätten noch ausreichend in Internetauktionen, auf Münzbörsen und bei den meisten Händlern erhältlich. Totgesagte leben offenbar doch länger als vermutet. Die Preise pro Beutel haben sich inzwischen für die Prägestätten D (München), F (Stuttgart), G (Karlsruhe) und J (Hamburg) bei 12 bis 20 Euro eingependelt. Für die Beutel der Prägestätte A (Berlin) liegen die Preise meist zwischen 15 und 22 Euro. Mehr sollte dafür allerdings auch nicht ausgeben werden. Wichtig ist, dass die Beutel noch original geschlossen sein müssen. Um herauszufinden, ob dies der Fall ist, sollten Sie die Schweißnaht mit anderen Beuteln vergleichen. Noch besser ist es, wenn zusätzlich die Kaufquittung angeboten wird, denn diese gilt als Beleg. Außerdem sind solche belegbaren Vorgänge recht selten zu finden. Achten Sie darauf und machen Sie Ihre Sammlung so noch interessanter.

Die Besonderheiten

Inzwischen können zahlreiche Besonderheiten benannt werden, die Auswirkungen auf den Sammlerwert der einzelnen Beutel haben.

Datumsangabe auf der Rückseite

Auf der Rückseite aller Starterbeutel der Prägestätte Berlin, wurde das Datum der Abpackung aufgedruckt. Diese Tatsache wurde mir von der Staatlichen Münze Berlin bestätigt, allerdings wurde mir der Grund dafür nicht genannt. Das Datum beeinflusst nun natürlich die Preise. Je älter ein Beutel ist, desto höher ist sein Preis. Zum Beispiel wurden Starterkits bekannt, die schon am 30.06.2000 abgepackt wurden und auch das Datum 06.09.2000 ist interessant. Allerdings sind auch Daten möglich, die noch weiter zurück liegen. Sammler suchen noch immer nach solchen früheren Abpackungen und zahlen dafür bis zu 50 Euro.

Starterkit A mit dem Datum 06.04.200?. Foto: Angela Graff.

Bei einigen Beuteln wurde die letzte Jahreszahl im Datum (mit Absicht?) nicht aufgedruckt. So steht auf der Beutelrückseite beispielsweise nur „06.04.200“. Derartige Besonderheiten werden zwischen 70 und 90 Euro gehandelt. Auch die Berliner Starterkits vom 17.12.2001 sind interessant. Diese Beutel wurden erst am Erstausgabetag der Starterkits in Deutschland abgepackt. Sie existieren mit und ohne Adler. Bisher wurde noch kein Beutel mit einem späteren Datum gefunden, Sammler würden dafür aber gern bis zu 70 Euro ausgeben.

Ohne Adler, aber vom 17.12.2001. Foto: Angela Graff.

Starterkits ohne Adler

Vermutlich stammen diese Beutel auch aus Berlin und wurden dort, wie auf der Rückseite zu sehen ist, ebenfalls am 17.12.2001 verpackt. Das Material der dafür verwendeten Folie ist in Art und Abmessung gleich der anderen Beutel aus Berlin. Die Besonderheit liegt hier in der Bestückung mit Cent- und Euromünzen aus unterschiedlichen Prägestätten, die Beutel enthalten also nicht nur Münzen aus „A“. Daher liegt die Vermutung nahe, dass in der Prägestätte Berlin nicht nur Starterkits mit „A-Münzen“ abgepackt, sondern auch Starterkits für andere Prägestätten hergestellt wurden. Es könnte sich bei den Beuteln ohne Adler und mit gemischtem Inhalt daher um „Restbestände“ handeln. Die Münzen wurden auf diese Weise aufgebraucht und als „stille Reserve“ dort ausgeliefert, wo die Starterkits bereits ausverkauft waren. Solch ein Kit ohne Adler und mit gemischtem Inhalt kann bis zu 50 Euro kosten.

Weiterhin wurden „Fehlschnitte“ aus der Prägestätte G bekannt. Durch einen Fehler liegen die 20 Münzen in einem Folienschlauch aus zwei Beuteln und zwei Beschriftungen. Solch eine Besonderheit ist um die 100 Euro wert. Zudem gibt es von allen Prägestätten dezentrierte Folienschnitte, bei denen der Adler oben oder unten sowie links oder rechts auf die jeweilige Naht gerutscht ist. Bis zu 35 Euro ist solch ein Fehlschnitt wert.

Starterkits von Banken und Kreditinstituten

Am bekanntesten wird wohl das überklebte Starterkit der Sparkasse Frankfurt am Main sein, die bereits am 17.12.2001 um Mitternacht mit dem Verkauf von Starterbeuteln begann. Der damalige Bundesbankpräsident verteilte dort insgesamt 4.000 überklebte Beutel auf einer Festveranstaltung. Dazu gab es noch ein entsprechendes Faksimile-Blatt mit Unterschriften. Bei den verteilten Beuteln handelte es sich ausschließlich um Starterkits aus München (D). Heute kostet solch ein Kit bis zu 100 Euro.

Waren Starterkits ausverkauft und blieb der Nachschub aus, so wurde oft die „Eigeninitiative“ ergriffen und Starterbeutel mit dem vorgegebenen Inhalt an Münzen wurden selbst abgepackt. Ohne einen entsprechenden Beleg ist dies heute leider kaum noch sicher nachweisbar. Daher ist hier Vorsicht geboten, denn ab Januar 2002 konnte jeder eigene Starterbeutel basteln und kunterbunt gestalten. Lassen Sie sich auch nicht vom Slogan „Not-Starterkit“ anlocken. Fakt ist, am 17.12.2001 galt nur die D-Mark! Der Euro war noch ungültig und erst ab dem 1. Januar 2002 ein gültiges Zahlungsmittel. Von einer Not kann daher keine Rede sein.

Starterkit der Sparkasse Barnim. Foto: Angela Graff.

Es gab einige Banken, Sparkassen und dazu noch viele private Geschäftsleute, die sich für werbetechnische Zwecke eigene Starterkits mit Münzen aus der „Erstbestückung für Geschäftskunden“ herstellen ließen und ab dem 17.12.2001 abgaben. Meist wurde dabei die vorgegebene Stückelung an Münzen und der Wert von 10,23 Euro eingehalten. Es gab allerdings auch Abweichungen. Wer wo wie viele dieser eigenen Starterbeuteln ausgab, ist kaum noch belegbar und dieses Thema soll daher nur kurz erwähnt werden. Es handelt sich dabei doch eher um Abpackungen mit privatem Hintergrund und sie haben nichts mit den offiziellen Starterkits der fünf Prägestätten zu tun. Jeder muss selbst entscheiden, was er schön findet und sammeln möchte.

Drehende Sterne in den Starterkits?

Das ist keinesfalls ausgeschlossen! Da schon zeitig mit der Abpackung von Starterkits begonnen wurde, können auch Münzen mit den berühmten „drehenden Sternen“ hineingekommen sein. Viele dieser äußerst seltenen Münzen wurden kurz nach der Euro-Einführung im Wechselgeld gefunden. Sie wurden folglich im Zuge der Erstausstattung ab September 2001 an die Geschäfte geliefert. Es wird höchste Zeit, die original verschlossenen Starterkits auf ihren Inhalt hin zu überprüfen. Seien Sie dabei vorsichtig, denn nichts sollte kaputt gehen.

Schon viele Kuriositäten wurden in den Starterkits entdeckt. Zum Beispiel soll ein Beutel mit einem 10-Cent-Rohling bestückt gewesen sein. Und einmal befand sich nur der Ring einer 2-Euro-Münze im Beutel. Das ist höchst interessant! Doch denken Sie immer daran, dass diese Beutel aus Folie und leicht zu öffnen und wieder zu verschließen sind. Daher ist es nie ausgeschlossen, dass Beutel zu Hause am Tisch nachträglich „veredelt“ wurden.

Verschenkte die Bundesbank damals bares Geld?

Ja, auch das ist richtig und war sogar so geplant. Im Starterkit lagen 10,23 Euro und verkauft wurde ein Beutel für 20,00 DM. Das ergab nach dem vorgegebenen Wechselkurs von 1,95583 einen rechnerischen Differenzbetrag von einem Pfennig. Der Beutel hätte demnach 20,01 DM kosten müssen! Dieser Pfennig pro Starterkit ging aber damals zu Lasten der öffentlichen Hand. Multiplizieren wir die Anzahl der offiziell ausgegebenen Starterkits – 53.542.150 Stück – mit einem Pfennig, so wissen wir, dass damals 535.421,50 DM an die Bundesbürger verschenkt wurden.

DM-Kit Parkhaus Stuttgart. Foto: M. Pirzer.

Zum Schluss noch mehr Kurioses

Zu einem wirklichen Kuriosum kam es kurz nach der Euro-Einführung in der Innenstadt von Stuttgart. In einem Parkhaus ließen sich die Bezahlautomaten einfach nicht auf Euro umstellen und wollten weiterhin D-Mark-Münzen schlucken. Immer wieder waren Techniker stundenlang vor Ort, um den Automaten den Euro doch noch schmackhaft zu machen. Ohne Erfolg, die Automaten blieben stur. Kurzerhand kam man auf die Idee, noch verbliebene DM-Münzen in kleine Plastiktüten zu stecken und als DM-Kit an die Parkhausbenutzer zu verkaufen, damit diese noch mit DM bezahlen konnten. Verkauft wurde das DM-Kit für 5 Euro und hatte dabei den Inhalt von 9,80 DM. Im Beutel waren demnach 7 x 1 DM, 5 x 50 Pfennig und 3 x10 Pfennig. Damit wurde ein „Parkhaus DM-Kit“ in das Eurozeitalter hineingeboren und war einige Zeit lang eine praktische Lösung.

 

Numiscontrol hat auch einen Artikel geschrieben über „2-Euro-Raritäten: die wahren Schätze im Geldbeutel“.

Außerdem natürlich die beiden beliebten Serien über die Schätze im DDR-Münzgeld und die Schätze aus D-Mark-Zeiten.

Und wenn Sie wissen möchten, wer hinter numiscontrol steckt, dann lesen Sie den Who’s-who-Artikel zu Reiner Graff.