Diebstähle in Olympia – ein Resultat der Sparmaßnahmen?

von Ursula Kampmann

1. März 2012 – Bereits zum zweiten Mal kam es in diesem Jahr zu einem spektakulären Diebstahl. Im Januar stahlen Diebe in der griechischen Nationalgalerie je ein Ölgemälde von Pablo Picasso und Piet Mondrian dazu die kleine Zeichnung eines italienischen Künstlers des 16. Jh. namens Guglielmo Caccia. Der Gesamtwert der gestohlenen Objekte soll sich auf 6,5 Millionen Dollars summieren.

Am 17. Februar 2012 ereignete sich ein weiterer Diebstahl. Zwei bewaffnete Männer überfielen das Museum für die Geschichte der Olympischen Spiele in Olympia. Sie hatten die Örtlichkeiten am Tag anscheinend nicht ausgekundschaftet, denn sie forderten von der Museumswächterin, sie zum Gold zu führen. Das konnte die Dame nicht tun, da die wertvollen Exponate hauptsächlich aus Ton, Bronze und Stein bestehen. Die Räuber zerstörten daraufhin ziemlich willkürlich einige Vitrinen, um 77 Objekte mitzunehmen. Es handelt sich zum größten Teil um Weihegaben an den Herrn des Heiligtums, Zeus.
Inzwischen scheint die Polizei bereits einen Verdächtigen in Verbindung mit diesem Raub festgenommen zu haben. Er soll zu einer ausländischen Bande gehören, die bislang die Juweliere der Umgebung beraubt hatte.

Möglich wurden Raubüberfälle wie dieser durch die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung, die beim derzeitigen Geldmangel nicht mehr in der Lage ist, all ihre Kulturschätze adäquat zu bewachen. So war in der Nationalgalerie während des Diebstahls eine einzige Aufsicht für das gesamte Gebäude verantwortlich.

Allerdings hat Griechenland noch nie wirklich in sein kulturelles Erbe investiert. Während der 90er Jahre, als das Land eine wirtschaftliche Blüte erlebte, wurden nur 0,7 % des nationalen Budgets in Werbung für und Erhaltung von kulturellem Erbe investiert. Nun, im Zeichen der Krise, sind es gerade noch 0,35 % oder, in Zahlen ausgedrückt, etwa 173 Mio. $. Gemäß Recherchen der Los Angeles Times bewachen derzeit um 1.900 von der Regierung bezahlte Sicherheitsleute über 15.000 Museen, historische Bauten und archäologische Ausgrabungen. Davon sind 1.350 auf Vollzeitbasis angestellt. Der Rest sind Aushilfen auf Zeit, die während der Feriensaison arbeiten, oder Beamte, denen der Wachdienst als neue Aufgabe zugewiesen wurde.

Währenddessen sieht sich die Bevölkerung mit Arbeitslosigkeit und Armut konfrontiert. Die unbewachten Kulturgüter zu Bargeld zu machen, dürfte vielen als verführerisch erscheinen.

Man fragt sich, ob in dieser Situation nicht völlig neue Denkansätze erforderlich sein werden. Denn mit moralischen Appellen und politisch korrekten Statements ist dieser verfahrenen Situation nicht beizukommen.

Wenn Sie mehr über den Diebstahl in der Nationalgalerie lesen wollen, klicken Sie hier. Dieser Artikel bietet auch das Zahlenmaterial, das wir für unsere Schilderung der aktuellen Situation benutzt haben.

Die Geschichte zum Raub in Olympia finden Sie hier in Deutsch und hier in Englisch. Der zweite Text behauptet, der griechische Minister für Tourismus und kulturelles Erbe hätte seinen Rücktritt angeboten. Allerdings scheint ein Rücktritt noch nicht erfolgt zu sein.

Hier finden Sie einen zweiminütigen Video-Report über den Raub auf Aljazeera.

Die Information, dass einer der Räuber aus Olympia verhaftet wurde, gibt es auf dieser Website.

Eine Aufstellung der gestohlenen Objekte finden Sie hier.

Impressionen vom Museum finden Sie auf YouTube hier.

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