Keinerlei Beweise für eine Finanzierung des IS durch den Antikenhandel

27. November 2014 – Gründliche Recherche hat die Quellen für die Behauptung, der IS finanziere den Antikenhandel, als nicht aussagekräftig entlarvt. Die IADAA fasst den aktuellen Stand des Wissens kurz zusammen.

In unserer Pressemeldung vom 21. Oktober 2014 wiesen wir bereits darauf hin, dass die Stichhaltigkeit der von zahlreichen Medien nach der suggestiven Sendung „Das geplünderte Erbe“ aufgegriffenen Fakten und Zahlen zu den Verstrickungen des deutschen Auktionshandels in die Finanzierung des IS extrem unwahrscheinlich sind.
In der letzten Woche wurden von unabhängiger Seite zwei Beiträge publiziert, die unsere Ansicht unterstützen.

Zum Ursprung des Gerüchts: Guardian, 15. Juni 2014
Der Guardian berichtete am 15. Juni 2014 vom Tod Abdulrahman al-Bilawis. In seinem Besitz fand man 160 Datenträger, deren Inhalt von Beamten, darunter Angehörige des CIA, entschlüsselt wurde. Aus ungenannter Quelle war zu Martin Chulov, dem Guardian-Reporter durchgesickert, auf diesen Datenträgern fände sich der Beweis für eine Finanzierung des IS durch den Antikenhandel:
„They had taken $ 36 m from al-Nabuk alone. The antiquities there are up to 8,000 years old,“ so die Behauptung des ungenannt bleibenden Mitglieds des Geheimdienstes.
Diese ungeprüfte Behauptung wurde von zahlreichen Aktivisten und Journalisten aufgegriffen und eine völlig erfundene Story daraus gestrickt, wie diese antiken Objekte im deutschen Kunsthandel verkauft würden.

Süddeutsche Zeitung, 15./16. November 2014
Es entbehrt nicht der Ironie, dass ausgerechnet der Journalist Volkmar Kabisch, der mit der ARD-Dokumentation „Das geplünderte Erbe“ eine der schlimmsten Hasstiraden gegen den Antikenhandel verantwortet, nun – nach der kompletten Durchsicht der 160 USB-Sticks – folgendes zugeben muss: „Woher aber kommt das Geld? Viel ist spekuliert worden über Kunstschmuggel, Einnahmen aus Entführungen oder den Verkauf von Öl. Dazu finden sich keine Angaben in den Unterlagen.“
Nichtsdestotrotz wird seine Sendung „Das geplünderte Erbe“weiter gesendet.
Die IADAA fordert, diese und vergleichbare Sendungen, die auf falschen und überholten Voraussetzungen beruhen, sofort aus dem Programm zu nehmen.

Chasing Aphrodite
Den Urheber des derzeit in den Vereinigten Staaten kursierenden Gerüchts, der Handel mit Antiken sei die zweitgrößte Einnahmequelle des IS, benennt der Blog „Chasing Aphrodite – The Hunt for Looted Antiquities in the World’s Museums“:
Er macht Michael Danti, Assistant Professor an der Boston University, verantwortlich. Danti hatte in seiner Funktion als Vizedirektor des staatlich finanzierten Programms zur Verfolgung der Zerstörung des kulturellen Erbes in Syrien am 17. Oktober 2014 in der Zeitung „Foreign Policy“ einen Artikel publiziert, in dem er den illegalen Handel mit antiken Objekten als zweitgrößte Finanzquelle des IS beschrieb. Auf Nachfrage des Blog-Betreibers musste Danti zugeben, dass seine „Quelle“ ein Bericht aus dem Jahr 2005-2006 war, der sich mit dem IS nicht beschäftigen konnte, da es den IS im Jahr 2005 noch nicht gab. Die Quelle sei Al-Quaida gewidmet und Danti wollte den Analogieschluss ziehen. Allerdings bezog sich in dieser Studie die Kategorie „looting“ nicht auf archäologische Gegenstände, sondern auf alle geplünderten Gegenstände des täglichen Konsums, so dass der Bericht zum Handel mit antiken Objekten überhaupt nichts aussagt.
Der Bericht in Chasing Aphrodite schließt mit folgenden Worten: „The truth is we have very little reliable data on the global revenue generated by the illicit antiquities trade, and even less on the role it plays in funding terror groups. It is, to paraphrase Donald Rumsfeld, a known unknown: we know it happens, but not much more. Claiming otherwise may in the short term bring attention to the issue of looting, but ultimately saps it of credibility – and the urgency to answer those important questions with well-documented research. It can also taint important policy decisions, as Patty Gerstenblith, chair of the State Departments Cultural Property Advisory Committee, noted in response to Danti and similar claims: „Commentators and scholars should avoid sensationalism ... Exaggerated baseless claims hinder rational policies to restrict trade in illegal antiquities.“ This is particularly true, and troubling, when baseless claims come from a highly respected academic group being paid – and held out as the gold standard – by the State Department. When John Kerry gives a speech about looting at the Met, he is using the issue to help justify the escalating U. S. military intervention in Syria. In that context, it is more important than ever to stick to the known knowns.“

Dem kann sich die International Association of Dealers in Ancient Art nur anschließen. Die einzige Möglichkeit, effektiven Kulturgüterschutz durchzusetzen, ist die Sicherung von antiken Fundstätten vor Ort, wie es der UNESCO-Vertrag vorsieht, um das Erbe der Menschheit auch für unsere Nachkommen zu sichern.

Die International Association of Dealers in Ancient Art (IADAA) wurde 1993 in London gegründet. Sie ist ein internationaler Zusammenschluss führender Händler von antiker Kunst mit hohen ethischen Ansprüchen. Ihre Mitglieder halten sich an einen bindenden Verhaltenskodex, der entwickelt wurde, um den Interessen ihrer Kunden und der Erhaltung von Kulturgütern zu dienen. Derzeit gehören 32 Mitglieder aus acht Ländern der IADAA an.

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