Abraham Gottlob Werner und seine Medaillen

von Lothar Schumacher

19. Januar 2017 – Abraham Gottlob Werner (* 25. September 1749 in Wehrau bei Görlitz; + 30. Juni 1817 in Dresden) war ein deutscher Mineraloge und bedeutender Professor an der Bergakademie Freiberg. Er gilt als der Begründer der Geognosie, dem bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts verwendeten Begriff für die Lehre von der Struktur und dem Bau der festen Erdkruste. Werner war der Hauptvertreter des Neptunismus im 18. Jahrhundert und stand im Zentrum eines damals die Geologie beherrschenden Streits zwischen Neptunisten und Plutonisten [1], [2].

Lithografie von Abraham Gottlob Werner nach einer Zeichnung von O. Ufer 1816 aus einer Denkschrift von 1848 entnommen [3].

Lithografie von Abraham Gottlob Werner nach einer Zeichnung von O. Ufer 1816 aus einer Denkschrift von 1848 entnommen [3].

Von 1764 bis 1769 war er Hüttenschreiber im Graf-Solms’schen Eisenhammerwerk in Wehrau. Hier ist sein Vater Inspektor gewesen. Anschließend ging Werner zum Studium an die Bergakademie Freiberg. Seine Matrikel-Nummer war die 52. Nach drei Jahren wechselte er an die Universität Leipzig. Bereits 1775 wurde er Akademie-Inspektor und Lehrer für Mineralogie und Bergbaukunst an der Bergakademie Freiberg. Zu seinen Schülern gehörten später so berühmte Gelehrte wie Alexander von Humboldt. Am 1. November 1784 erfolgte die Ernennung zum Edelsteininspektor in Sachsen und zum Leiter der geognostischen Landesuntersuchung Sachsens mit dem Ziel, nutzbare Rohstoffe (insbesondere Steinkohle) zu finden. Mit seiner Veröffentlichung „Kurze Klassifikation und Beschreibung der verschiedenen Gebirgsarten” schuf er 1786 die Grundlage für wissenschaftliches Arbeiten in der Petrographie. Ab 1792 war er Bergkommissionsrat und damit Mitglied im Oberbergamt. Werner verstarb am 30. Juni 1817 [1], [2].

Sächsische Werner-Medaille in Gold, © Fritz Rudolf Künker [4].

Sächsische Werner-Medaille in Gold, © Fritz Rudolf Künker [4].

Gedenkmedaille auf den 100. Todestag

Der sächsische Medailleur Friedrich Wilhelm Hörnlein schuf 1917 auf den 100. Todestag von Abraham Gottlob Werner eine prächtige Gedenkmedaille (Ø 50,7 mm). Auf Grund der Edelmetallknappheit im I. Weltkrieg wurde die Mehrzahl der Medaillen nur in Eisen ausgeprägt. Im Zeitraum zwischen 1917 und 1932 wurden in Muldenhütten 29 Exemplare in Silber, 49 Stück in Bronze und 296 Eisenmedaillen hergestellt. Die Vorderseite zeigt das Brustbild Werners nach links. Die Rückseite zeigt eine siebenzeilige Inschrift mit Jahreszahl. Kürzlich wurde auf der Auktion des zweiten Teils der Preussag-Sammlung am 1. November 2016 in London das vermutlich einzige Goldexemplar (Gewicht: 55,89 g) der Wernermedaille (Los 1514) zu 6.000 £ zzgl. Aufgeld + Mwst. versteigert. Die Randschrift der Goldprägung beinhaltet: SÄCHS. MÜNZE 986 (gepunzt); Z. frdl. Erg. 1. VII 1924 Bergische Stahl-Industrie - L Mangold (in Schreibschrift graviert) [4]. 

Werner-Fakultätspreis-Medaille

Im Rahmen der Barbarafeier 2015 hat die Fakultät für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau anlässlich des 250. Gründungsjubiläums der TU Bergakademie Freiberg eine neue Auszeichnung ins Leben gerufen und erstmals den Abraham-Gottlob-Werner-Fakultätspreis verliehen [5].

„Es ist unserer Fakultät ein besonderes Anliegen, mit der Auszeichnung sehr gute Leistungen und Engagement in der Gesellschaft zu würdigen, Vorbilder zu schaffen und die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Geowissenschaften und Geoingenieurwissenschaften in der Gesellschaft zu lenken“, ordnet der damalige Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Carsten Drebenstedt, den Werner-Preis ein. Gleichzeitig war es der Fakultät wichtig, im Jubiläumsjahr mit dem Preis den Namensgeber Abraham Gottlob Werner zu ehren, der als Freiberger Professor Wegbereiter der modernen Geowissenschaften ist und maßgeblich zur frühen Weltbedeutung der Universität beigetragen hat. Der Abraham-Gottlob-Werner-Preis wird einmal jährlich an einen Studenten / Absolventen der Geo-Fakultät für herausragende fachliche Leistungen und besonderes soziales Engagement vergeben. Mit der Auszeichnung wird zudem das Eintreten für die Belange von Studierenden an der Fakultät und für die Gemeinschaft gewürdigt. Neben einer Urkunde erhält der Preisträger eine Geldzuwendung und eine Medaille mit persönlicher Widmung [5]. 

Originalentwurf von A. G. Werner [7].

Originalentwurf von A. G. Werner [7].

Was ist für die Gestaltung der Werner-Fakultätspreis-Medaille naheliegender als einen eigenen Entwurf Werners zu nutzen. Für die Neuherausgabe von Prämientalern der Bergakademie Freiberg im Konventionsmünzfuß reichte Werner zu seiner Zeit drei Rückseitenentwürfe für den Prämientaler 1815 ein. Der hier zu Grunde liegende Entwurf kam damals nicht zur Ausführung [6].

Gemeinsame Vorderseite: Portrait von Abraham Gottlob Werner in Uniform eines Bergrats mit dem 1816 verliehenen Ritterkreuz des sächsischen Ordens für Verdienst und Treue nach einer Zeichnung von O. Ufer. Neben dem Porträt sind Geburts- und Sterbejahr ergänzt (mittige Darstellung im Bild 4).

Nummerierte Werner-Preis-Medaille (links) und die Gedenkmedaille auf den 200. Todestag (rechts) mit gemeinsamem Avers (mittig).

Nummerierte Werner-Preis-Medaille (links) und die Gedenkmedaille auf den 200. Todestag (rechts) mit gemeinsamem Avers (mittig).

Rückseite Preismedaille: Rechts auf Felsen sitzende behelmte Minerva (römische Göttin der Weisheit, der Künste, des Handwerks und des Krieges, sowie Schutzgöttin der Dichter und Lehrer) überreicht einem links stehenden Bergakademisten einen Lorbeerkranz. Dazwischen die laufende Medaillennummer. Im Abschnitt zweizeilig: WERNER-PREIS. Oberhalb des Kranzes ist das Logo der TU Bergakademie Freiberg wiedergegeben. Die Umschrift beginnt mit Schlägel und Eisen und lautet: FAKULTÄT FÜR GEOWISSENSCHAFTEN, GEOTECHNIK UND BERGBAU

Rückseite Gedenkmedaille auf den 200. Todestag: Medaillenentwurf nach Eduard Heuchler mit drei Bergleuten beim zweimännischen Bohren in einer sächsischen Steinkohlengrube. Die Umschrift ist aus einer Gedenkrede für Werner entnommen und lautet: „Wir wollen mehren was du erschufest - ehren was du begründetest”, jeweils mit Schlägel und Eisen abgetrennt. 

Gemeinsamer Medaillenpass:
Metall: Silber 999
Durchmesser: 40 mm
Gewicht: 31,1 g (eine Unze)
Oberfläche: patiniert
Auflage: 10 Stück Wernerpreis, gepunzt mit laufender Nummer
150 Stück Jahresmedaille FMF
Idee: Prof. Carsten Drebenstedt und Angela Kugler-Kießling, beide Freiberg
Entwurf: Dr. Lothar Schumacher, Brand-Erbisdorf
Stempel: Ralf Exner, Dresden
Prägung: 1. Dresdner Medaillenmünze Glaser & Sohn GmbH

Bezug der Jahresmedaille der Freiberger Münzfreunde e.V. auf den 200. Todestag von A. G. Werner zu 62 € zuzüglich Porto und Versandkosten unter: Freiberger Münzfreunde e. V., c/o Helmut Herholz, Friedeburger Straße 38, 09599 Freiberg 

Quellen:
[1] Schleiff, Hartmut et al.: Catalogus Professorum Fribergensis, Verlag TU Bergakademie Freiberg, 2015, S. 2
[2] Friebe, Hans; Grau, Christel: ABRAHAM GOTTLOB WERNER - Medaille auf seinen 250. Geburtstag. In: FMBl 8/1999, S. 35 f.
[3] Hasse, Traugott Lebrecht: Denkschrift zur Erinnerung an die Verdienste des in Dresden am 30. Juni 1817 verstorbenen K. S. Bergrath’s Werner und an die Fortschritte bei der Bergakademie zu Freiberg, Dresden und Leipzig 1848
[4] London Coin Galleries Ltd in conjunction with Künker: The Preussag Collection Part II, Auction 2, November I, 2016 in London
[5] Pressemitteilung der TU Bergakademie Freiberg vom 11. Dezember 2015 auf Homepage: http://tu-freiberg.de/presse/erstmals-abraham-gottlob-werner-fakultaetspreis-verliehen
[6] Arnold, Paul; Quellmalz, Werner; Arnold, Ulli: Sächsisch-thüringische Bergbaugepräge, Leipzig 1978, S. 114
[7] Abraham Gottlob Werner, Entwurf zur Rückseite des Prämien-Konventionstalers 1815 „Dem Fleisse”. Archiv der TU Bergakademie Freiberg

Informationen über Freiburger Münzfreunde e. V. finden Sie auf deren Webseite.

Hier kommen Sie zur offizielle Seite der TU Bergakademie Freiberg.

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