Der Mann, der zwei Nobelpreismedaillen vor den Nazis rettete – indem er sie auflöste

16. November 2017 – Am 23. November 2017 wird Morton & Eden in London eine goldene Nobelpreismedaille (Chemie) und drei weitere bedeutende Auszeichnungen versteigern. Alle vier wurden dem berühmten ungarischen Forscher George Charles de Hevesy verliehen. Die Gruppe von Auszeichnungen soll £120.000 bis £150.000 erzielen (Los 77). Man kann auch online bieten über Numisbids und The Saleroom. 

Los 77 der nächsten Auktion von Morten & Eden: De Hevesys goldene Nobelpreismedaille.Los 77 der nächsten Auktion von Morten & Eden: De Hevesys goldene Nobelpreismedaille.

Los 77 der nächsten Auktion von Morten & Eden: De Hevesys goldene Nobelpreismedaille.

George Charles de Hevesy (1885-1966) gilt als Begründer der Radiochemie. Er war einer der Entdecker des Elementes Hafnium im Jahr 1922, und er entwickelte eine Methode, mit der man radioaktive Isotopen als „Tracer“ einsetzt. Für seine außerordentlichen Leistungen erhielt Hevesy 1944 den Nobelpreis. Gleichzeitig akzeptierte er das Angebot des Nobelinstitutes, die schwedische Staatsbürgerschaft anzunehmen. In der offiziellen Begründung, warum ihm der Preis verliehen wurde, fallen die heute gängigen Begriffe „Isotopen“ und „Tracer“. Diese Worte hatte es noch gar nicht gegeben, als Hevesy seine Karriere 1911 bei Ernest Rutherford in Manchester begann. 

Eine Fotografie des jungen de Hevesy.

Eine Fotografie des jungen de Hevesy.

Bevor Hevesy selbst einen Nobelpreis erhielt, verbarg er zwei Nobelpreismedaillen vor den Nazis. In einer ingeniösen Aktion löste er die Medaillen in Königswasser auf. Im Dritten Reich war der Privatbesitz von Gold nämlich verboten und konnte mit dem Tode bestraft werden. Die Medaillen gehörten den Physikern Max von Laue und James Franck, den Nobelpreisträgern von 1914 bzw. 1925, deren Medaillen ihre Namen trugen und zur Gefahr für die Besitzer geworden waren, die sie deswegen im Bohr-Institut in Kopenhagen verwahrten.

Eben dort arbeitete Hevesy im Sommer 1940, als die Deutschen Dänemark besetzten. Schnell musste er überlegen, wie er die Goldmedaillen verbergen könnte. Nachdem er sich dagegen entschieden hatte, sie zu vergraben, löste er sie einfach in Königswasser auf, einer Mischung aus Salzsäure und Salpetersäure. Der Kolben, in dem er die unscheinbare Flüssigkeit aufbewahrte, stand bis zum Ende des Krieges auf einem Regal. Danach konnte Hevesy das Gold wieder zurückgewinnen und der Nobelstiftung zukommen lassen. Diese verwandte das Material für Neuprägungen der Medaillen, die den Eigentümern 1952 erneut verliehen wurden.

Die offizielle Nobelpreisurkunde von De Hevesny.

Die offizielle Nobelpreisurkunde von De Hevesny.

David Kirk von Morton & Eden sagte: „Die Arbeiten und Leistungen von George de Hevesy haben vor allem auf dem Gebiet der Radiobiologie zu gewaltigen Fortschritten geführt, sowie in der klinischen Forschung und Diagnose, insbesondere bei Röntgenanwendungen. Es überrascht nicht, dass er schon zu Lebzeiten vielfache Auszeichnungen und Ehrungen erhalten hat. Die Medaillen sind bis heute im Besitz von Hevesys Familie geblieben. Es ist eine große Ehre, dass wir diese Medaillen einem großen Interessentenkreis anbieten dürfen.“

Zusammen mit Hevesys Nobelpreismedaille für Chemie wird die versilberte Copley-Medaille der Royal Society angeboten, entworfen von Mary Gillick und verliehen 1949; außerdem die Royal College of Physician’s Baly Medal in Silber von J.S. und A.B. Wyon, mit Namen versehen und datiert auf das Jahr 1951; und der große goldene Atoms for Peace Award der Medallic Art Co., New York, datiert auf 1958. 

Für weitere Information gehen Sie auf die Website von Morten & Eden, wo auch ein Pdf-Katalog der Auktion zu finden ist.

Weitere biographische Angaben zu George de Hevesy finden Sie auf der offiziellen Seite der Nobelpreisstiftung (in Englisch).

Auf Deutsch bietet die Universität Freiburg einen Abriss über de Hevesys Leben und Wirken.

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