Die Ungarische Revolution von 1848 und der kalifornische Goldrausch

10. Mai 2018 – Die Numismatic Guaranty Corporation (NGC) hat drei seltene Goldmünzen zertifiziert, die von der privaten Prägeanstalt der gebürtigen ungarischen Auswanderer S. C. Wass und A. P. Molitor in den 1850er Jahren in San Francisco während des Höhepunktes des kalifornischen Goldrauschs geprägt wurden. Diese Münzen wurden NGC in München während ihres Vor-Ort-Bewertungsevents vom Ungarischen Nationalmuseum eingereicht. Das Ungarische Museum erhielt diese Münzen von Graf Samuel Wass höchstpersönlich.

1852 Wass, Molitor & Co. Großer Kopf $ 5, eingestuft mit NGC Uncirculated.

1852 Wass, Molitor & Co. Großer Kopf $ 5, eingestuft mit NGC Uncirculated.

Der prominente Ungar Samuel Wass kam 1849 während des Unabhängigkeitskampfes von Ungarn in die USA. (Die erfolglose ungarische Revolution hat eine so große Bedeutung für die Menschen in Ungarn, dass ihr Anfang am 15. März noch heute als nationaler Feiertag gefeiert wird). Im Jahre 1851 zog Samuel Wass nach Kalifornien, um mit seinem ungarischen Partner, Graf Albert Molitor, eine Goldprüfanstalt in San Francisco zu gründen: Wass, Molitor & Co.

Die Firma war eine von mehreren privaten Prägestätten, die in den 1850er Jahren Münzen in Kalifornien herstellten, um den verzweifelten Bedarf des Staates nach Umlaufmünzen zu befriedigen. Wass, Molitor & Co. prägten im Jahr 1852 Goldstücke zu fünf und zehn US-Dollar sowie im Jahr 1855 auch Goldmünzen zu zehn, zwanzig und fünfzig Dollar. Die Designs der Münzen spiegelten offizielle US-Goldmünzen wider, aber einige der darauf gezeigten Inschriften wurden abgeändert. Zum Beispiel wurde „LIBERTY“ durch „W.M. &  Co.“ auf den Münzen zu fünf, zehn und zwanzig Dollar ersetzt. Die Fünfzig-Dollar-Goldstücke, die größer waren als alle sich in Umlauf befindlichen US-Gold Münzen, zeigten einen Kranz auf der Rückseite und die Bezeichnung „WASS MOLITOR & CO. SAN FRANCISCO CALIFORNIA“ auf der Randschrift.

1852 Wass, Molitor & Co. Wide Date, Large Head $ 10, eingestuft mit NGC MS 63.

1852 Wass, Molitor & Co. Wide Date, Large Head $ 10, eingestuft mit NGC MS 63.

Die Eröffnung der Niederlassung der US Mint in San Francisco im Jahr 1854 reduzierte jedoch die Notwendigkeit für private Prägefirmen und deren Münzen, die von Sammlern „Territorial Gold Pieces“ genannt werden. Wass, Molitor & Co. hat daraufhin offenbar bereits Ende 1855 den Betrieb eingestellt.

Am 13. August 1855 schickte Samuel Wass vier seiner Münzen direkt aus San Francisco an das Ungarische Nationalmuseum: 

  • ein 1852 Large Head $ 5, jetzt eingestuft mit „NGC Uncirculated“;
  • ein 1852 Wide Date, Large Head $ 10, jetzt eingestuft mit „NGC MS 63“;
  • ein 1855 $ 20, seit 1966 oder früher fehlend; und
  • eine erstaunliche 1855 $ 50, jetzt eingestuft mit NGC MS 63, welches als zweitbestes von NGC zertifiziertes Exemplar rangiert.

NGC hat diese Münzen während ihres ersten Vor-Ort-Bewertungsevents in München eingestuft. Die Münzen wurden in die von NGC speziell für Museen entwickelten Halter eingekapselt, die ursprünglich für die Smithsonian Institution entwickelt wurden und entlang der Kante geöffnet werden können, damit das Museum die Münzen auch außerhalb des Halters untersuchen kann. Die Zertifizierungslabels von NGC beschreiben die Münze, ihren Erhaltungsgrad und ihre jeweilige Herkunftsbezeichnung. 

1855 Wass, Molitor & Co. $ 50, eingestuft mit NGC MS 63.

1855 Wass, Molitor & Co. $ 50, eingestuft mit NGC MS 63.

„Diese Münzen erwecken Geschichte auf eine wirklich bemerkenswerte Weise zum Leben und verbinden uns mit zwei zentralen Momenten in der amerikanischen und ungarischen Geschichte“, sagt Mark Salzberg, NGC-Vorsitzender und einer der Bewerter, der die Münzen in München einstufte. „Ich fühle mich geehrt, dass das Ungarische Nationalmuseum ausgerechnet NGC ausgewählt hat, um diese wichtigen Raritäten zu bewerten, und ich bin begeistert, dass uns unsere Anwesenheit in München eine solche Gelegenheit gegeben hat.“

Die Entscheidung, diese Münzen zu zertifizieren, wurde getroffen, als Dr. Csaba Toth, Kurator des Ungarischen Nationalmuseums, mit Arthur L. Friedberg, einem angesehenen numismatischen Autor, Kontakt aufnahm. Friedberg verwies Dr. Toth an Douglas Mudd, den Kurator des „Edward C. Rochette Money Museum“ der Amerikanischen Numismatischen Gesellschaft (ANA). Herr Mudd stellte Dr. Toth daraufhin NGC vor, die zuvor Münzen aus der Sammlung der ANA zertifiziert hatte. NGC ist auch der offizielle Bewertungsdienst der ANA.

„Dies war das erste Mal in seiner 200-jährigen Geschichte, dass das Museum beschloss, Münzen aus seiner numismatischen Sammlung einzustufen“, sagte Dr. Toth. „Als Ergebnis haben wir Münzen aus unserer öffentlichen Sammlung ins Rampenlicht gerückt. Hoffentlich werden die Menschen erkennen, wie viele seltene und hochwertige Münzen in Museen „versteckt“ sind und nur darauf warten, entdeckt zu werden. Ich hoffe, dass diese fruchtbare Zusammenarbeit mit NGC mit weiteren spektakulären Münzen aus unserer Sammlung fortgesetzt werden kann.“

Die Webseite der NGC findet sich hier.

Informationen zum nächsten on-site Grading finden Sie hier.

Dieser Link führt Sie in die Münzensammlung des Ungarischen Nationalmuseums.

Alles Weitere zum legendären Goldrausch finden Sie in unserer Artikelserie zum Thema. 

 

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