Ein numismatischer Fußball-Traum?

von numiscontrol

21. Juni 2018 – Bald ist es wieder soweit und viele Herzen werden höherschlagen, wenn der Kampf um das runde Leder beginnt. Seit Monaten wird spekuliert, wie sich die deutsche Mannschaft schlagen wird. Die Regale in den Märkten füllen sich mit Fan-Artikeln und so manch ehrwürdiger Herr kauft vorsorglich gleich ein Schminkset „Schwarz, Rot, Gold“. Fernsehgeräte sollen im Büro aufgestellt werden, Autos werden geputzt und beflaggt. Alles ist in Vorbereitung!
Vielleicht sind auch an anderer Stelle die heimlichen Vorarbeiten längst abgeschlossen – im Bereich der Münzausgaben. Auch zur Fußball-EM 2016 befasste man sich ausgiebig mit der Frage: Was, wenn Deutschland siegt?

Den ersten Preis erhielt ein Entwurf von Isabel James, Staatliche Zeichenakademie Hanau. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.Den ersten Preis erhielt ein Entwurf von Isabel James, Staatliche Zeichenakademie Hanau. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.

Den ersten Preis erhielt ein Entwurf von Isabel James, Staatliche Zeichenakademie Hanau. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.

Ein hochrangiges Gremium entscheidet über den siegreichen Entwurf

Im Spätherbst 2015 traf sich in Berlin ein Preisgerichtsgremium, hinter verschlossenen Türen, denn nur sehr wenige waren eingeweiht. Das Preisgericht bestand aus zwei Bildhauern, aus Vertretern des Bundesamts für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) und des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) und aus dem Geschäftsführer einer Berliner Fußballmannschaft. Die Numismatik vertrat ein leitender Experte des Münzkabinetts Berlin. Unterstützung bekam das Preisgericht von einem Sachverständigen, der zeitgleich Geschäftsleiter einer deutschen Prägestätte war. Ein weiterer Vertreter des BADV war als Gast eingeladen. Die Koordination sowie die Durchführung der Veranstaltung oblag zwei Vertreterinnen des BADV.

Gewinnung von Nachwuchskünstlern

Das BADV hatte im Vorfeld einen Münzwettbewerb zur Künstlerförderung ausgelobt, welcher große Bedeutung für die Gewinnung von Nachwuchskünstlern für die Münzwettbewerbe des Bundes haben sollte. Alle vom Preisgericht ausgewählten Teilnehmer wurden in die Künstlerkartei aufgenommen und die Preisträger sogar bei einem der folgenden Einladungswettbewerbe berücksichtigt. So ist es im Protokoll der Veranstaltung vermerkt. Alle zur Veranstaltung eingeladenen neunzehn Künstler waren Studenten an verschiedenen Kunsthochschulen in ganz Deutschland. Insgesamt galt es 40 Arbeiten vorzuprüfen. Verlangt wurden zeichnerische Entwürfe und Gipsmodelle der Bild- und Wertseite einer Münze in weißem, harten Gips und das alles in etwas mehr als fünffacher Originalgröße. Aber was war das Thema?

Den 2. Platz des Wettbewerbs belegte Alexander Leschinez, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.Den 2. Platz des Wettbewerbs belegte Alexander Leschinez, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.

Den 2. Platz des Wettbewerbs belegte Alexander Leschinez, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.

Die besondere 10-Euro-Münze für 2016

Das Thema war brandaktuell: Wir könnte eine Münze aussehen, welche die Bundesrepublik Deutschland im Falle eines möglichen Siegs der deutschen Mannschaft bei der EM ausgeben könnte? Eine solche Münze auch auszugeben, war ausdrücklich nicht geplant, wie man beim BADV betont.
Es sollte ein Fußballmotiv mit großer Aussagekraft und viel Dynamik sein. Die nationale Seite war ebenfalls entsprechend zu gestalten. Der Bundesadler musste dabei wie immer eine würdige Form besitzen, obwohl hier auch die Gesamtgestaltung im Einklang mit dem Vorderseitenmotiv stehen sollte. Der Eingang der Arbeiten war für Mitte November 2015 angesetzt. Danach wurden alle Beiträge ausgepackt, getarnt und vorgeprüft. 

Der dritte Preis ging an Melissa Glanz, Hochschule für Gestaltung Niederrhein, Krefeld. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.Der dritte Preis ging an Melissa Glanz, Hochschule für Gestaltung Niederrhein, Krefeld. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.

Der dritte Preis ging an Melissa Glanz, Hochschule für Gestaltung Niederrhein, Krefeld. Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Quelle: BADV.

Das Preisgericht tagt

Jeder vorgeprüfte Entwurf lag dem Preisgericht nur mit seiner Tarnzahl vor, damit die Jury ihn keinem der Künstler zuordnen konnte. Die Arbeiten wurden dem Gremium einzeln vorgestellt und intensiv diskutiert. Dabei lobte das Preisgericht insgesamt die hohe Qualität fast aller vorliegenden Arbeiten. Im ersten Wertungsrundgang sollten diejenigen Entwürfe im Verfahren bleiben, die mindestens eine Ja-Stimme erhalten hatten, danach war eine einfache Stimmenmehrheit erforderlich.
Im ersten Wertungsrundgang schieden zwei Arbeiten aus, im zweiten Rundgang acht weitere. Im dritten Rundgang verblieben von den zehn Arbeiten noch vier. Diese wurden in der vierten Runde vergleichend und intensiv diskutiert.

Der Entwurf von Sebastian Siechold, Berlin, schied zwar in der vierten Runde aus, wurde aber aufgrund seiner Qualität mit den drei Siegerentwürfen aufgekauft und veröffentlicht. Foto: Sebastian Siechold. Quelle: BADV.

Der Entwurf von Sebastian Siechold, Berlin, schied zwar in der vierten Runde aus, wurde aber aufgrund seiner Qualität mit den drei Siegerentwürfen aufgekauft und veröffentlicht. Foto: Sebastian Siechold. Quelle: BADV.

Am Ende schied ein weiterer Entwurf aus, wurde aber auf einstimmigen Beschluss der Jury zusätzlich zu den drei Preisträgern veröffentlicht.
Nun erfolgte die Abstimmung für die drei Siegerplätze. Die Sieger erhielten ein Preisgeld. Zusätzlich zu den Siegerentwürfen kaufte man von allen eingereichten Arbeiten weitere sechs Entwürfe an wegen ihrer hohen handwerklichen Qualität. Die Verfasser der Arbeiten wurden in die Künstlerkartei aufgenommen. Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Künstler der siegreichen Entwürfe zusätzlich zu einem der regulären Wettbewerbe einzuladen.

„Was wäre, wenn?“ 2018

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wurde 2016 nicht Europameister, der Wettbewerb blieb ein Planspiel. Das ist natürlich traurig für Fußballfans wie Münzsammler. Doch wie heißt es so schön: „Neue Runde, neues Glück!“
In Kürze beginnt die Fußball-WM und die deutsche Mannschaft scheint bestens in Form zu sein. Wer weiß, ob es im Vorfeld einen heimlichen Wettbewerb für eine Münze im Fall eines WM-Sieges gegeben hat?

Lassen wir uns überraschen und drücken wir der deutschen Mannschaft die Daumen! Denn ein WM-Titel könnte auch die Numismatiker glücklich machen. Immerhin könnte er gemünztes Silber bedeuten!

Zur Fußball-WM 2014 prägte die Degussa Silbermedaillen auf die Fußballhelden in Deutschlands Sportgeschichte, die Münze Berlin ehrte 2017 den europäischen Frauenfußball.

2011 gab Deutschland eine 10-Euro-Münze aus auf die Frauenfußball-WM in Deutschland.

Künker offeriert als Teil einer Sammlung deutscher Proben und Verprägungen in seiner Sommerauktion 2018 eine außergewöhnliche Probe dieser Gedenkmünze auf die Frauenfußball-WM von 2011.

Heute entscheiden die sportlichen Erfolge nicht mehr über Leben und Tod der Spieler. Im alten Mexiko war das noch völlig anders, wie Sie in einem Artikel über Ballspiele im Alten Mexiko lesen.

Und wenn Sie kontrollieren wollen, wie es um die deutsche Nationalmannschaft steht, dann schauen Sie auf die offizielle Seite der FIFA zur Weltmeisterschaft 2018.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Einmal die Woche pünktlich frei Haus. Mit unserem Email-Newsletter bleiben sie immer auf dem neuesten Stand der numismatischen Welt.

← zurück