Geldregen und ein sprechender Freud

23. August 2018 – Noch bis zum 15. September 2018 zeigt das Traklhaus in Salzburg die Ausstellung „Schilling, Mark, Dollar, Euro und …“. Gezeigt werden Kunstwerke aus Geld oder Kunst, die Geld thematisiert, in verschiedenen Techniken und Medien von 90 Künstlerinnen und Künstlern aus vielen Ländern und Generationen. Diese Kombination macht den besonderen Reiz aus. Dies ist die sechste Ausstellung zu einem klar definierten Thema, die im Traklhaus seit 2006 Kunstwerke versammelt, die Schuhe, Essen, Tiere, Musik oder Stühle in der bildenden Kunst thematisiert. Im Sommer 2018 geht es um Geld in der Kunst.

Matthias Herrmann steuerte diese Collage aus verwelkter, brennender Blume und Dollarschein (2018) bei. Foto: Kunst im Traklhaus.

Matthias Herrmann steuerte diese Collage aus verwelkter, brennender Blume und Dollarschein (2018) bei. Foto: Kunst im Traklhaus.

Das älteste Ausstellungsstück ist ein barockes, sakrales Kunstwerk aus dem Dommuseum. Aus dem Salzburg Museum kommen zwei Graphik-Bücher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Abbildungen des bekannten Salzburger Landschaftsmalers Georg Pezolt. Das Museum der Moderne borgt vier Graphiken aus dem 19. und 20. Jahrhundert von Honoré Daumier, Marc Chagall, Wilhelm Thöny und Karl Rössing. Einige Werke stammen aus den 60er bis 80er Jahren, die meisten sind aus dem 21. Jahrhundert, die aktuellsten wurden 2018 für diese Ausstellung geschaffen.

Bekannte Künstler wie Andy Warhol und Gilbert & George findet man im Traklhaus. Foto: Andrew Phelps.

Bekannte Künstler wie Andy Warhol und Gilbert & George findet man im Traklhaus. Foto: Andrew Phelps.

Geld als Münzen oder Scheine, in Beuteln oder als Schecks, ist, seitdem es das gibt, in Kunstwerken zu finden, taucht von der Antike bis in die Gegenwart in Skulpturen und Bildern auf. In dieser Ausstellung liegt der Schwerpunkt eindeutig auf aktuellen Werken, nur wenige Beispiele zeigen Arbeiten von Künstlern, die nicht mehr leben. Sofort fallen jedem bei dem Thema Geld die Dollar-Bilder von Andy Warhol oder die beschrifteten D-Mark-Scheine von Joseph Beuys ein. Grundsätzlich ist die Auseinandersetzung mit Geld jedoch für die meisten Kunstschaffenden kein besonderer Schwerpunkt, es ist in Kunstwerken nicht so präsent, wie die anderen Themen, die im Traklhaus bisher behandelt wurden. Die Suche war nicht so einfach, aber es sind trotzdem sehr viele höchst interessante und eben qualitätvolle Kunstwerke im Traklhaus zusammengestellt worden.

Tony Oursler lässt Sigmund Freud auf der 50-Schilling-Note zu den Besuchern sprechen. Foto: Andrew Phelps.

Tony Oursler lässt Sigmund Freud auf der 50-Schilling-Note zu den Besuchern sprechen. Foto: Andrew Phelps.

Dem Ausgangsmaterial entsprechend, werden in diesem Sommer schwerpunktmäßig mehr kleinformatige Arbeiten ausgestellt; Geld ist eben kleiner, aber auch großformatige Bilder oder Installationen sind zu sehen, nicht nur Arbeiten in Münz- oder Geldschein-Größe. Ashley Hans Scheirl schickt ein größeres Bild auf Leinwand, auf dem im Zentrum Münzen fliegen. Von Gudrun Kampl kommt eine fast drei Meter lange, schwarze Latexarbeit, die wie ein Geldschein angelegt ist, jedoch Pistolen und Totenköpfe anstatt der üblichen Portraits und anderen Attributen ins Zentrum setzt. Die Galerie Ropac borgt eine vielteilige Fotoarbeit, in der Gilbert & George mit großen Geldbeträgen posieren. Von der Galerie Steinek kommt eine Video- Installation von Tony Oursler, in der Sigmund Freud auf der 50-Schilling-Note spricht. Julia Bornefeld lässt einen großen kugelförmigen „Luster“, der aus Cent-Münzen besteht, bauen.

Der Künstler Julius Deutschbauer in einer Performance im Hof des Traklhauses. Foto: Kunst im Traklhaus.

Der Künstler Julius Deutschbauer in einer Performance im Hof des Traklhauses. Foto: Kunst im Traklhaus.

Siegfried Anzinger hat eine Serie von vier Zeichnungen geschaffen, die vom „Goldesel“ bis zum „Geld auf den Bäumen“ verschiedene Sprichwörter aufgreifen und humorvoll illustrieren. Der „Beton-Künstler“ Wolfgang Becksteiner hat aus diesem Material „Schwarzgeld und Falschgeld“ zu bieten. Julius Deutschbauer wurde für eine Performance im Hof des Traklhauses zu „Künstler und das liebe Geld“ engagiert. Der lesende Künstler im Geldregen wurde auch zum Plakatmotiv dieser Ausstellung. 

Carlos Aires, „Disaster 2 (Iraq Tumbas)“, 2013. Foto: MAM Mario Mauroner Contemporary Art Vienna/Salzburg.

Carlos Aires, „Disaster 2 (Iraq Tumbas)“, 2013. Foto: MAM Mario Mauroner Contemporary Art Vienna/Salzburg.

Seit den 60er Jahren hat Klaus Staeck kritische Plakate zu aktuellen Anlässen aufgelegt. Davon hat er vier mit Geld-Thematik geschickt, darunter der DM-Stapel, der vor den Türmen des Kölner Doms liegt mit dem Text „Am Anfang war das Geld“. Carla Degenhardt hat bereits im Förderprogramm des Traklhauses 1998 ihre Serie von Schillingnoten, die mit roter Wolle bestickt sind, gezeigt. Erwin Wurm, dessen Arbeiten auch immer wieder im Traklhaus in Gruppenausstellungen präsent waren, hat eine neue „One Minute Sculpture“ für „Geld“ entwickelt. Der Besucher wird angeregt, einen 20-Euro-Schein von oben nach unten oder umgekehrt zu legen. Der chinesische Künstler Yong Ping Song hat, als er hier im Gastatelier des Landes war, eigene Graphiken mit Dollar-Noten mit Trakl-Gedichten überschrieben.

Michail Michailov, „Butterfly“, 2007, Video-Still. Foto: Kunst im Traklhaus.

Michail Michailov, „Butterfly“, 2007, Video-Still. Foto: Kunst im Traklhaus.

Auf der Biennale in Venedig hat die Arbeit des taiwanesischen Künstlers Shih Li-Jen beeindruckt. Er baut die Wand-Installation mit Geldscheinen um ein Rhinozeros-Horn hier wieder anders auf. Selbstverständlich wird auch das Video einer besonderen Installation mit 350.000.000 Euro gezeigt, die Kurt Fleckenstein schon 2015 im Traklhaus realisiert hat.
Wie immer in solchen Zusammenstellungen dürfen die Salzburger, die sich dieses Themas angenommen haben, nicht fehlen: Bernhard Lochmann, Eva Möseneder und Thomas Wizany sind z. B. mit Graphiken vertreten. Dieter Huber hat einen Bildschirmschoner entworfen, der mit Zufallsgenerator verschiedene Geld-Begriffe auswählt.

Gerhard Rühm, „Münzmusik“, 80er Jahre. Foto: Andrew Phelps.

Gerhard Rühm, „Münzmusik“, 80er Jahre. Foto: Andrew Phelps.

Ein Katalog (170 Seiten), in dem alle ausgestellten Arbeiten dokumentiert sind, mit Texten von Thomas Zaunschirm, Gerhard Rühm und Dietgard Grimmer erscheint im Verlag Jung und Jung. Im Bildteil werden mit den Kunstwerken Texte, die ebenfalls auf das Thema „Geld“ eingehen, einiger Autoren des Verlages publiziert: Birgit Birnbacher, Ludwig Fels, Elias Hirschl, Jochen Jung, Michael Krüger, Angelika Reitzer, Daniel Wisser.

Mehr Informationen über die Ausstellung finden Sie auf der Webseite des Landes Salzburg.

Bereits 2015 stellte Kurt Fleckenstein eine Installation mit 350.000.000 Euro im Traklhaus aus. Das Video zum Ausstellungsaufbau finden Sie auf Youtube.

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