Die moderne Antike

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3. August 2017 – In der neuen Dauerausstellung „Die Griechen & ihre Welt. Identität und Ideal“ präsentiert das Antikenmuseum Basel einen Teil seiner herausragenden Vasensammlung aus einer aktuellen und überraschenden Perspektive.

Einblick in die Ausstellung. © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig.

Meisterwerke aus der Antike werden lebendige Zeugen einer erstaunlich modernen Vergangenheit. Bis zum 14. August 2017 gewährt das Museum noch freien Eintritt in die Sammlung.

Einblick in die Ausstellung. © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig.

Sind Sie Schweizer oder Schweizerin und essen gerne Fondue? Haben Sie dazu noch einen Migrationshintergrund und Ihr Caquelon stammt aus China? Das ist modern! Globalisierung, Mobilität, Multikulturalität, Integration, aber auch Marktregeln, Massenproduktion und Innovation – solche Begriffe sind für uns aktuell und prägen die heutige Weltpolitik. Sie verursachen aber auch Spannungen in unserer Gesellschaft. Wenn das alles modern ist, dann muss die Antike sogar sehr modern gewesen sein, denn die Menschen waren bereits vor mehr als 2.500 Jahren mit genau denselben Phänomenen konfrontiert.

Amphora des Töpfers Amasis, Athen, um 550/540 v. Chr. © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig.

Ein Beispiel dafür: In Athen lebte zwischen ca. 570 und 520 v. Chr. ein Töpfer namens Amasis. Das Antikenmuseum Basel hat in seiner Sammlung griechischer Keramikgefäße gleich vier Prachtexemplare, die von ihm realisiert wurden. Man feiert sie traditionell als Meisterwerke eines griechischen Künstlers. Amasis war aber sicherlich kein Künstler und wahrscheinlich auch kein Grieche. Er war ein herausragender Handwerker und mehrere Indizien deuten darauf hin, dass er aus Ägypten stammte.

Wassergefäß mit häuslichen Szenen. Apulien, um 330 v. Chr. © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig.

Seine Produkte sind zudem zwar in der marktführenden Stadt Athen entstanden, aber gleich nach der Anfertigung nach Mittelitalien verschifft und verkauft worden, wo die einheimische Bevölkerung – die Etrusker – große Nachfrage nach modischen Gefäßen aus Griechenland hatte. Dafür haben die Griechen dort die dringend benötigten Metalle – vor allem Eisen – erworben. Diese Erkenntnis dürfte zunächst überraschend wirken, da wir seit den Schuljahren und durch traditionelle Museumsbesuche gewöhnt sind, die antiken Kulturen voneinander getrennt und „in sich geschlossen“ zu betrachten. Aber die Menschen und ihre Grundbedürfnisse haben sich in den letzten drei Jahrtausenden erstaunlich wenig verändert und die Welt der Griechen hatte verblüffende Ähnlichkeiten mit unserer.

Trinkschale mit dem Kampf zwischen Herakles und Kyknos. Athen, um 560/550 v. Chr. © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig.

Wenn die Exponate ihren Status als unantastbare, schwer verständliche Meisterwerke einer längst vergangenen Zivilisation verlieren, die nichts mit unserer heutigen Gesellschaft zu tun hat, werden sie lebendige Zeugen einer erstaunlich modernen Vergangenheit. Sie berichten von kulturellen Begegnungen und Konflikten. Sie zeigen uns, dass die Menschen vor zweieinhalb Jahrtausenden dieselben Fragen beantworten und dieselben Entscheidungen treffen mussten wie wir. Dürfen wir noch behaupten, die Antike sei antik? Oder ist die Moderne doch nicht so modern? Vermutlich sind die Menschen einfach nur Menschen, damals wie heute. 

Einblick in die Ausstellung. © Ruedi Habegger, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig.

Die neue Dauersammlung „Die Griechen & ihre Welt. Identität und Ideal“ ist ab sofort für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Für mehr Informationen gehen Sie auf die Seite des Antikenmuseums Basel.

Ein gut gemachtes Youtube Video anlässlich des 50jährigen Bestehens des Antikenmuseums Basel & der Sammlung Ludwig von 2016 sehen Sie hier.