Dietrich Klose geht in den Ruhestand

Dietrich Klose verleiht in seiner Funktion als Vorsitzender der Numismatischen Kommission der Länder der BRD den Walter-Hävernick-Preis 2015. Foto: UK.
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Es gibt die Kollegen, von denen man sofort weiß, was sie alles geleistet haben, die einen bei jedem Treffen darüber informieren, welches Projekt bei ihnen gerade am Köcheln ist. Und dann gibt es die Kollegen, die redlich arbeiten, ein Projekt nach dem anderen durchziehen und eher gezwungen werden müssen, darüber zu sprechen. Dietrich O. A. Klose gehört zu letzteren. Er hat in den 33 Jahren seiner Tätigkeit an der Staatlichen Münzsammlung München enorm viel erreicht. Und vieles davon sieht man erst auf einen zweiten Blick.

Von Saarbrücken nach München

Dietrich Klose studierte wie so viele Numismatiker seiner Generation bei Prof. Franke in Saarbrücken. Er promovierte im Jahr 1987 über die Münzprägung von Smyrna in der römischen Kaiserzeit und wurde danach sofort als wissenschaftlicher Assistent für die Antike und Neuzeit unter dem damaligen Direktor der Münzsammlung Wolfgang Heß eingestellt. Als er kam, hatte die Staatliche Münzsammlung begonnen, ihre Dauerausstellung mit regelmäßig wechselnden Spezialausstellungen zu ergänzen, und damit hatte Dietrich Klose die Möglichkeit, sich in viele verschiedene Gebiete einzuarbeiten. Er hat es getan, immer wieder und mit beeindruckendem Tiefgang.

Von den Banknoten über Primärgeld zur modernen Kunstmedaille

Denn trotz seiner ursprünglich auf die Antike konzentrierten Ausbildung, interessierte sich Dietrich Klose auch für die anderen Gebiete der Numismatik und Geldgeschichte. Die Vielfalt der Themen, die er in Wechselausstellungen erschloss, ist für jeden beeindruckend, der weiß, welche Arbeit es macht, sich in ein neues Gebiet einzulesen. Er war sich nicht zu schön dafür, populäre, publikumsträchtige Themen aufzugreifen. Sei es der „Kini“ Ludwig II. oder antike Münzen mit Sportmotiven im Olympia-Jahr 1996. Dietrich Klose war gerne aktuell, zeichnete bereits ein Jahr nach der Wende für eine Ausstellung zu den Geldzeichen der DDR verantwortlich und begleitete den Wechsel von der D-Mark zum Euro mit einer Ausstellung zur Deutschen Mark.

Elfenbeinturm? Aber sicher nicht. Er arbeitete an Ausstellungen zusammen mit Münzhändlern und Sammlern. Genannt sei in dem Zusammenhang nur die Ausstellung „Statthalter, Rebellen, Könige“ mit Prägungen der Persis, auch heute noch ein eher unbekanntes Randgebiet der Numismatik. Der Münchner Sammler Theo Reuter hatte der Staatlichen Münzsammlung im Jahr 2004 neunundsiebzig kostbare und seltene Münzen der Persis vermacht. Zum Ausstellungsbeginn konnte Dieter Klose bereits 200 Münzen dieses Gebiets zeigen, erworben aus dem Ankaufsfond und den Mitteln, die dank des Freundeskreise der Staatlichen Münzsammlung aufgebracht werden konnten. Als Mitautor dieses Katalogs ist übrigens Wilhelm Müseler genannt, zu diesem Zeitpunkt Mitarbeiter der Münzhandlung Dr. Busso Peus Nachf.

Ja, Dietrich Klose ließ sich dabei durchaus von Sammlern und Münzhändlern anregen und suchte das Gespräch. Schließlich war die Staatliche Münzsammlung seit Jahren die Heimat der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft, bei der traditionell Sammler, Händler und Wissenschaftler in bestem Einvernehmen über numismatische Themen diskutieren.

So kamen viele Sammlungen ins Haus, die das Spektrum eines traditionellen Münzkabinetts bei weitem überstiegen. Das führte dazu, dass sich die Staatliche Münzsammlung heute durchaus berechtigt als „Museum für Geldgeschichte“ bezeichnen kann. So wurde im Jahr 2012 auf Initiative von Dietrich Klose die Sammlung Walter und Brigitte Kames von historischen Aktien und Wertpapieren erworben. Und er war es auch, der die Sammlung Kuhn von prämonetären Geldformen für München sicherte, und zwar nach einer umfassenden Ausstellung im Jahr 2009 mit dem Titel „Geld ist, was gilt“. Und das sind nur zwei Beispiele von vielen. Wir sollten außerdem nicht vergessen, dass Dietrich Klose Jahrzehntelang Schöpfer von modernen Kunstmedaillen durch Ankäufe des Münzkabinetts förderte, ein Interesse, das sich auch dadurch zeigt, dass er viele Jahre als Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst amtierte.

Zusammenarbeit ist besser als Konkurrenz

Dietrich Klose war immer jemand, der auf Zusammenarbeit setzte. So kooperiert er seit vielen Jahren mit der HVB Stiftung Geldscheinsammlung, so dass schon einige Ausstellungen aus deren Beständen öffentlich gezeigt werden konnten.

Und er ist durchaus bereit, kostbare Objekte auch an unorthodoxen Plätzen auszustellen. So bereichern die Bestände der Staatlichen Münzsammlung München regelmäßig die Sonderschauen der „Munich Show – Mineralientage“. Für alle, denen das kein Begriff ist: Es handelt sich um eine jährlich stattfindende Ausstellung von Mineralien, Fossilien, Edelsteinen und anderem, die mehrere Zehntausend (sic!) Besucher anzieht.

Ein geschätzter Kollege, der sich für Sammler einsetzte

Am meisten wurde es aber von vielen Münchner Numismatikern geschätzt, dass mit ihm an der Spitze der Staatlichen Münzsammlung München wieder ein kollegiales Miteinander einkehrte. Durch seine freundliche, bescheidene, unaufdringliche und zugewandte Art hat er für viele in der Bibliothek der Münchner Münzsammlung eine wissenschaftliche Heimat geschaffen. Hier fühlte sich jeder willkommen, gleich ob renommierter Fachkollege, Sammler oder Student.

Überhaupt war Dietrich Klose ein engagierter Vertreter der Zusammenarbeit aller Formen der Numismatik, und er fand auch den Mut, sich für die Rechte von Sammlern öffentlich auszusprechen.

 

Die MünzenWoche wünscht Dieter Klose das Allerbeste für seinen beginnenden (Un-)Ruhestand. Und wir hoffen, dass er die Zeit findet, an vielen numismatischen Projekten weiterzuarbeiten und viele Kongresse zu besuchen, damit wir ihn in der numismatischen Welt möglichst oft sehen!

Hier kommen Sie zur neuen Website der Staatlichen Münzsammlung München.