Haussuchung in Münchner Münzhandlung

Das Bayerische Landeskriminalamt stellte unter anderem diese Münzen bei Durchsuchungen in München sicher. Foto: LKA Bayern.
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Ende November 2019 schlugen die Carabinieri zu: Zwei Verhaftungen, 21 Personen in Hausarrest, über 80 Hausdurchsuchungen und sichergestellte Objekte mit einem Marktwert, den die italienischen Ermittler mit mehreren Millionen Euro beziffern. Die Operation „Achei“ richtete sich gegen eine Organisation von Raubgräbern und Antikenschmugglern im süditalienischen Kalabrien mit besten Verbindungen ins europäische Ausland.

Keine Skrupel, aber gut organisiert

Die Abteilung für Kulturgutschutz der Carabinieri (Tutela Patrimonio Culturale, kurz TPC) führte die Operation „Achei“ offiziell von 2017 bis 2018 durch. Doch erst jetzt meinten die Ermittler über ausreichend Beweise zu verfügen, um eingreifen zu können. Vorangegangen waren Telefonüberwachungen, Beschattungen und sogar Videoaufnahmen mittels Drohnen. Damit ließen sich die Tatorte – das Apollo-Heiligtum vom Cirò Marina, Castiglione di Paludi und andere archäologische Plätze rund um Crotone – effektiv langzeitig kontrollieren.

Videos dokumentieren, mit welcher Brutalität die Täter vorgingen: Sie gruben mittels schwerer Baumaschinen nach potentieller Handelsware. Zurück blieben tiefe Krater, Gräben und Löcher. All das war nicht das Werk einer Handvoll Kleinkrimineller, sondern die Machenschaft einer komplexen Organisation, die in und um die Provinzhauptstadt Crotone agierte.

An ihrer Spitze standen „ohne einen Schatten des Zweifels“, wie die offizielle Pressemeldung der Carabinieri betont, zwei Männer, die ein Interesse an der Archäologie pflegten und so die Orte kannten, an denen es sich zu graben lohnte: der 58-jährige Giorgio Salvatore P. und sein mutmaßlicher Komplize Alessandro G. (30). Beide wurden umgehend verhaftet.

Sie führten eine effiziente Organisation, in der jeder wusste, was er zu tun hatte, vom Ausgraben über die Suche mit Metallsonden bis hin zum Weiterverkauf. Kommuniziert wurde regelmäßig mit Codewörtern wie „Spargel“ oder „Motorsäge“ für die Metallsonden.

Absatzmarkt Europa: von London bis München

Verkauft wurde die Ware nicht nur in Italien, sondern auch im Ausland. Durchsuchungen fanden in London, Paris, München und Serbien statt. Am 18. November 2019 durchsuchten knapp 20 Ermittler und Kunstfahnder des bayerischen Landeskriminalamtes die Wohn- und Geschäftsräume einer 31-jährigen Italienerin und ihres 37-jährigen Bruders in der Münchner Innenstadt und in Bogenhausen. Laut LKA konnten zahlreiche Kulturgüter sichergestellt werden. Die Ermittlungen dauern an.

 

Die Namen der mutmaßlichen Mitglieder dieser kriminellen Vereinigung in Kalabrien und weitere Details lesen Sie in einer lokalen Zeitung.

Im Vorjahr hatten die Carabinieri im sizilianischen Riesi zugeschlagen und einen Antikenschmugglerring ausgehoben, der ebenfalls Verbindungen ins Ausland, unter anderem zu Auktionshäusern nach München gehabt haben soll. Wir berichteten ausführlich in der MünzenWoche.

Ausführlich berichtete auch die Süddeutsche Zeitung über das Thema und die Verbindung nach München.