Richard B. Witschonke (1945-2015)

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von Ursula Kampmann

26. Februar 2015 – Es ist ein trauriger Tag für die Numismatik. Richard B. Witschonke starb am 24. Februar 2015 in Sarasota, Florida. Zurück bleibt Sprachlosigkeit. Rick starb überraschend und viel zu früh. Er hinterlässt eine große Lücke in der numismatischen Gemeinschaft.

Richard B. Witschonke wurde 1945 in Washington D.C. geboren. Sein Interesse an Münzen war schon früh geweckt. Seine Großmutter hatte ihm ein Whitman Penny Board geschenkt. Für all diejenigen, die ihre Sammlung in Beba-Kästen aufbewahren, diese Penny Boards waren Sammelalben, in die man Pennys nach Jahrgängen ordnete. Die Großmutter lieferte fleißig Material und Rick stellte zu seiner Überraschung fest, dass er ordentlich Profit machen konnte, wenn er einen seltenen Penny an einen anderen sammelnden Schulbuben verkaufte. Das Interesse war geweckt. Jeder Penny wurde sorgfältig auf die Jahreszahl überprüft, und bald dehnte sich die Sammlung auch auf andere Münzen aus, sogar ein paar römische Denare hatte Rick schon in seiner Jugendsammlung.

1974 publizierte Michael Crawford seinen Katalog der Münzen der römischen Republik, und Rick war elektrisiert. Die übersichtliche Aufstellung, die Crawford mit seinem Buch lieferte, war optimal als Sammlungsanleitung geeignet. Gleichzeitig ließ der „Crawford“ noch so viele Fragen offen, die es zu beantworten galt. Rick sammelte. Und während er sammelte, traf er viele Münzhändler und Wissenschaftler, die genauso an der römischen Republik interessiert waren wie er. So wurde auch Rick zu einem Wissenschaftler, der wichtige Aufsätze publizierte und an entscheidenden Festschriften mitwirkte. Er war zum Beispiel Mitherausgeber der Festschrift Charles Hersh und der Festschrift Roberto Russo, beide mit einem Fokus auf der Münzprägung der römischen Republik.

Und wenn Rick eine Arbeit übernahm, dann bedeutete das auch, dass er sich engagierte. Wie typisch für ihn, dass er sich – nach einer großen Karriere in der freien Wirtschaft – nicht auf seinen Landsitz in New Jersey zurückzog, sondern als ehrenamtlicher Kurator die American Numismatic Society unterstützte. So war er zum Beispiel zuständig für die Organisation der berühmten Sommer Seminare der ANS, die schon so viele junge Wissenschaftler geprägt haben.

Seine eigene Sammlung war die „umfangreichste, die jemals öffentlich verkauft wurde, jedenfalls in der Zeit, in der vollständig bebilderte Kataloge erstellt wurden“. Sie ist für jeden, der Wert darauf legt, eine Münze der römischen Republik nach dem aktuellen Stand der Forschung zu datieren, ein unverzichtbares Hilfsmittel.

Und ganz jenseits der Numismatik war Rick ein wunderbarer Mensch, immer interessiert an seinem Gegenüber. Ich erinnere mich gerne an all unsere Gespräche, die vielen Mails, die wir getauscht haben, die regelmäßigen Einladungen hinüber – herüber, die wir beide aus Zeitmangel und vor allem wegen der großen Entfernungen nie wahrnehmen konnten. Rick hat die MünzenWoche von ihrer ersten Ausgabe an unterstützt. Er schickte immer wieder Links und Informationen, von denen er dachte, die numismatische Welt sollte sie haben.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen engsten Angehörigen, seiner Frau Heidi und seinen Kindern. Was für ein Mensch Rick Witschonke war, wird allzu deutlich an der Geschichte, wie er seine Frau kennenlernte. Sie ist schon einmal veröffentlicht worden, so dass es uns nicht zu privat scheint, sie an dieser Stelle noch einmal zu erzählen.

Rick lernte Heidi über einen gemeinsamen Freund kennen. Damals lag ihr Mann im Sterben. Er hatte Krebs und starb im Winter 1997. Heidi stand mit ihren drei Töchtern alleine da. Damals planten Rick und sein Freund einen Segeltörn. Sie luden die trauernde Frau und ihre Töchter ein mitzukommen. Das war der Beginn einer glücklichen Beziehung.

Richard B. Witschonke war ein Mann, der das Leben genoss und so voller Leben war, dass es unmöglich scheint, dass er nicht mehr unter uns weilt. Wir werden ihn vermissen.