Die Münzen von Mysien aus der Sammlung Plankenhorn

Gerhard Plankenhorn (Bearbeiter), Sammlung Plankenhorn. Münzen aus Mysien. Sammlungskatalog. Verlag der Staatlichen Münzsammlung, München 2022. 184 Seiten, durchgehend farbig bebildert. Hardcover, 30 x 21cm. ISBN: 978-3-922840-46-6. 49 Euro.
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770 Münzen aus Mysien, so viele Stücke enthält die Sammlung Plankenhorn. 770 Münzen, das sind vierzig Nummern mehr, als in der berühmten Sammlung von Aulock gelistet waren. Es handelt sich also um eine sehr bedeutende Sammlung, die kürzlich von der Staatlichen Münzsammlung München publiziert wurde.

Sammler, Autodidakt und Autor

Gerhard Plankenhorn ist eigentlich allen bekannt, die sich mit den Münzen Kleinasiens beschäftigen. Denn er sammelt mit großem persönlichem Engagement seit einigen Jahrzehnten Münzen aus dem gesamten Kleinasien und stellt sein Material immer wieder gerne für wissenschaftliche Publikationen zur Verfügung. Die Verfasserin dieser Buchvorstellung durfte bereits für ihre lang zurückliegende Dissertation Stücke aus der Sammlung Plankenhorn nutzen.

Gerhard Plankenhorn (*1941) studierte Latein, Geschichte und Sozialkunde, um 39 Jahre lang als Gymnasiallehrer seinen Schülern diese Fächer nahezubringen. Bereits während seines Studiums begeisterte er sich für die Numismatik. Und mit seinem Lehrergehalt gelang es ihm, eine Sammlung zusammenzubringen, die hinsichtlich Umfang und Vielfalt durchaus mit berühmten Sammlungen wie der des Hans von Aulock mithalten kann. Gerhard Plankenhorn gilt als großer Kenner der Materie, der sich als Autodidakt das für eine wissenschaftliche Katalogisierung notwendige Wissen selbst erarbeitet hat. Er ist der Autor des hier vorliegenden Katalogs seiner Münzen aus Mysien, während Josef Stauber, Wissenschaftler und seit 2005 ebenfalls Gymnasiallehrer, die historischen Einleitungen zu den verschiedenen Prägeorten übernommen hat.

Ein Katalog in der Tradition der Sylloge-Bände

Wer sich das Buch vorstellen möchte, möge an die traditionsreichen Bände der Sylloge Nummorum Graecorum denken, angepasst an die modernen Seh- und Lesegewohnheiten. So ist das Buch im Din A4-Format gehalten und nicht im unpraktischen Sylloge-Format. Es präsentiert Beschreibung und Münze zusammen, nutzt das Layout aber nicht, um die durchaus vorhandenen Vergrößerungen gleich zusammen mit der Abbildung zu zeigen. Die Beschreibungen entsprechen wissenschaftlichen Standards. Die Zitate gelten dem Münztyp, nicht dem einzelnen Stempel.

Die Fotos sind, nun sagen wir es freundlich: Sie lassen für den nächsten Band noch etwas Luft nach oben. Selbst mit hervorragenden Augen (und über die verfügt die Autorin dieser Buchvorstellung leider schon lange nicht mehr) sind die Details gerade der winzigen, nicht gut erhaltenen Münzen, wie es sie in Mysien so viele gibt, nicht zu erkennen. Natürlich weiß jeder, der sich mit der Materie befasst, dass gerade diese winzigen Bronzemünzen besonders hohe Anforderungen an das Können eines Fotographen stellen. Deshalb stellt sich die Frage, ob man von einem Münzhändler – Daniel Zufahl von Numis Matic zeichnet für die Fotos verantwortlich – die Qualität der Abbildungen, die für solch eine Publikation notwendig sind, erwarten kann.

Wie auch immer, Sammler und Händler werden den Band vor allem wegen seiner ausführlichen Einführung zu den einzelnen Städten schätzen, in denen die wichtigsten geographischen, historischen und numismatischen Details mit der aktuellen Literatur zusammengefasst sind.

Die Bedeutung des Sammlers für die Forschung

Eines muss auf jeden Fall an dieser Stelle festgehalten werden: Ohne den Sammler Gerhard Plankenhorn gäbe es nicht nur diese Sammlung nicht, sondern auch nicht diesen nützlichen Katalog, den er nicht nur verfasst, sondern auch finanziert hat. Dietrich O. A. Klose, der ehemalige leitende Sammlungsdirektor der Staatlichen Münzsammlung München würdigt Gerhard Plankenhorn stellvertretend für alle Sammler folgendermaßen: „Gerade im Bereich der Münzkunde war und ist die private Sammeltätigkeit für die Wissenschaft von besonderer Bedeutung. Manche private stand am Anfang einer öffentlichen Sammlung oder hat eine solche doch wesentlich bereichert: und namentlich in der Numismatik waren es bedeutende Sammlerpersönlichkeiten, die aufgrund ihrer Sachkenntnis selbst zu wissenschaftlich Forschenden wurden. Das vorliegende Buch präsentiert mit der Landschaft Mysien den ersten Teil einer solchen hervorragenden Privatsammlung kleinasiatischer antiker Münzen von der archaischen Epoche bis in die römische Kaiserzeit. Diese über viele Jahrzehnte aufgebaute Sammlung erweist sich dabei als eine der bedeutendsten ihrer Art.“

Zusammengefasst: Wer Münzen bestimmt, wird sich über diesen neuen Katalog sicher sehr freuen. Gerade Sammler dürften die ausführlichen Texte zu den einzelnen Münzständen sehr schätzen. Wir alle können uns über die hoffentlich möglichst vielen Bände freuen, die da noch kommen werden. Und die Rezensentin freut sich besonders darauf, dann die Qualität der Fotos loben zu dürfen.

Das Buch kann bezogen werden über den Verlag Habelt.

In unserem Sammler-Who’s who haben wir Gerhard Plankenhorn ausführlich vorgestellt.