Nicht alles, was glänzt, ist Gold

von Björn Schöpe

22. Februar 2018 – Das Feld in Südengland versprach reiche Ernte. Es war frisch gepflügt und die beiden Sondengänger Andy Sampson (54) und Paul Adams (58) hofften, wieder einmal eine römische Münze zu finden.

„Römisches Gold!“

Plötzlich fing Paul Adams an, einen Freudentanz aufzuführen, erinnerte sich sein Freund später. Er schrie außer sich: „Römisches Gold!“ In einer Ackerfurche schlugen die Sonden auf zehn Metern ununterbrochen an und zum Schluss hatten die beiden 54 Goldmünzen gesammelt. Im Kopf überschlugen sie den Marktwert mit rund £26.500 allein für jeden der sechs Aurei Kaiser Neros und erhofften sich £250.000 von ihrem Fund.

Träume werden wahr

Tonscherben in der Furche bestätigten die Meinung der Freunde, auf einen römischen Hortfund gestoßen zu sein: „Wir saßen da und waren fassungslos“, sagte Andy Sampson. Er fing sofort an, große Pläne zu schmieden: die Hypotheken bezahlen, einen Sportwagen kaufen …
Die beiden Männer hatten erst rund ein Jahr Erfahrung mit ihrem neuen Hobby, beruflich beliefern sie gemeinsam Patienten mit Sauerstoffflaschen. Und nun hatten sie das große Los gezogen! Sie fuhren nach Hause, „zu aufgeregt, um klar denken zu können“, wie sie sagten. Am nächsten Tag wollten sie den Grundstückseigentümer und die Behörden informieren, schließlich gehen sie ihrem Hobby ganz legal nach.

Die große Enttäuschung

Dann kam die große Enttäuschung: Ein Nachbar, seit 40 Jahren Sondengänger, staunte Bauklötze. Doch ein Griff genügte, und er erkannte: Fälschungen! Natürlich glaubten ihm die beiden Finder nicht.
Doch Sampsons Frau arbeitet in der Verwaltung des Betriebes, auf dessen Grundstück die Münzen lagen. Sie erinnerte sich plötzlich, dass dort vor kurzem Dreharbeiten stattgefunden hatten – für die neue Staffel von „The Detectorists“. Diese in Großbritannien extrem populäre Comedyserie handelt von zwei befreundeten Sondengängern …

Stoff fürs Fernsehen

Ein Anruf bei der Produktionsgesellschaft brachte Klarheit: Tatsächlich hatte die Crew einen Tontopf mit nachgemachten römischen Goldmünzen auf dem Acker vergraben. Nach den Dreharbeiten hatte das Team sich zwar bemüht, alle Münzrepliken wieder einzusammeln, aber manche steckten zu tief in der Erde. Der Hauptdarsteller (und Drehbuchautor und Regisseur) Mackenzie Crook drückte sein Bedauern aus. Er habe gleich am nächsten Tag mit dem Metalldetektor noch einmal das Gelände abgehen wollen, doch seien ihm die beiden (Un)glückspilze zuvorgekommen: „Ich bin ja selbst Sondengänger und möchte den beiden Gentlemen versichern, dass ich am Boden zerstört war, als ich hörte, ich könnte zu ihrer Enttäuschung beigetragen haben. Ich hoffe, dass sie in Zukunft weitersuchen und ich hoffe, dass sie sehr bald echtes Gold finden.“
Die Repliken haben einen Wert von £5 das Stück. Andy Sampson resümierte daher: „Ich denke, wir sind ganz offiziell die größten Pechvögel unter allen Sondengängern der Welt. Aus unserer Geschichte könnte man eine eigene TV-Serie machen.“ Vielleicht passiert das ja noch. Vorerst wollen sie sich den Spaß an ihrem Hobby aber nicht nehmen lassen, wie sie erklärten.

Ausführlich berichteten der Telegraph und BBC.

Immerhin haben sich die beiden Sondengänger nicht ihre Freundschaft aufgekündigt wie zwei Kollegen, die einen echten Hort fanden.

Mehr über das Portable Antiquities Scheme, das die gesetzlichen Rahmenbedigungen für die Sondengänger im Alltag umsetzt, lesen Sie hier.

Die Serie „The Detectorists“ finden Sie übrigens hier.

Und hier gibt es den Trailer! Wann wir das wohl in Deutschland zu sehen bekommen?

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