Einzigartiger Goldschatz in Dänemark gefunden

Der Hort besteht aus etwa 945 g schweren Goldobjekten. Foto: Conservation Center Vejle.
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In Dänemark wurde einer der größten und bedeutendsten Goldfunde in der Geschichte des Landes gemacht. In Vindelev, nahe bei Jelling, fand man fast 1 Kilo an Goldobjekten, darunter große Medaillons, die rund 1.500 Jahre in der Erde verborgen waren.

Der Hobbyarchäologe Ole Ginnerup Schytz entdeckte den Schatz. Foto: Vejle Museums.

Ole Ginnerup Schytz hatte gerade erst einen Metalldetektor gekauft und von seinem ehemaligen Klassenkameraden die Erlaubnis bekommen, auf dessen Grundstück zu sondeln. Nach nur wenigen Stunden stieß er im Dezember 2020 auf einen der größten Goldschätze der dänischen Geschichte. Daraufhin untersuchten Archäologen des Vejlemuseerne zusammen mit Experten des Nationalmuseums die Stelle. Es stellte sich heraus, dass der Schatz in einem Langhaus vor etwa 1.500 Jahren vergraben wurde. Von weiteren Untersuchungen erhoffen sich die Archäologen, mehr Informationen über die historischen Umstände zu erhalten.

Nach der Entdeckung des Schatzes wurde der Fundort von professionellen Archäologen ergraben. Foto: Vejle Museums.

Ein Häuptling in Vindelev

Die Menge an Goldobjekten zeigt, dass Vindelev ein Machtzentrum in der Frühgeschichte war. „Nur ein Mitglied der gesellschaftlichen Elite konnte einen solchen Schatz, wie wir ihn gefunden haben, anhäufen“, erläutert Mads Ravn, der Leiter der Forschungsgruppe am Vejlemuseerne. „Wir kennen den Namen Vindelev aus der Völkerwanderungszeit, doch bisher hatten wir keine Kenntnisse darüber, dass schon zuvor ein Warlord oder Häuptling hier lebte, lange bevor das Königreich Dänemark in den folgenden Jahrhunderten entstand.“

Bevor im 10. Jahrhundert in Jelling die Wiege Dänemarks lag, lebte schon im 6. Jahrhundert nur 8 Kilometer entfernt ein mächtiger Häuptling, der Reichtümer anhäufte und fähige Kunsthandwerker um sich scharte. Warum er diese große Menge Gold vergrub, wissen wir nicht. Vielleicht wollte er es in einer unruhigen Zeit sichern, möglicherweise war es auch eine Opfergabe an göttliche Mächte.

Der Goldhort besteht aus 22 Objekten. Foto: Vejle Museums.

Mythologische Motive und ein römischer Kaiser

Der Vindelevhort besteht aus wundervoll verzierten Medaillons in der Größe von Untertassen, sogenannten Brakteaten. Aber auch zu Schmuck umgearbeitete römische Münzen wurden gefunden. Für die Zusammenstellung und die eingesetzten Techniken gibt es bislang keinerlei Vergleichsstücke. Nach Ansicht der Experten ist der Fund daher in seiner Qualität einzigartig.

Die Brakteaten zeigen oftmals rätselhafte Motive und Inschriften, die wir heute nur schwer deuten können. Foto: Conservation Center Vejle.

Manche der Objekte zeigen Motive und Runeninschriften, die sich auf Herrscher beziehen könnten, möglicherweise aber auch auf die altnordische Mythenwelt.

War der „Hohe“ ein Herrscher oder ein Gott? Foto: Conservation Center Vejle.

Einer der Funde ist ein Brakteat, der den Kopf eines Mannes mit geflochtenen Haaren zeigt und mehrere Runen. Unter dem Kopf sieht man ein Pferd und einen Vogel, mit denen der Mann kommuniziert. Die Runeninschrift scheint „houaʀ“ zu bedeuten, also „der Hohe“. Dies könnte sich auf den Herrscher beziehen, der den Hort vergrub; in späteren mythologischen Kontexten wird dieser Begriff auch auf den Gott Odin bezogen.

Ein römisches Medaillon Konstantins des Großen. Foto: Conservation Center Vejle.

Es gibt auch sehr viel ältere Münzen aus dem Römischen Reich, wie etwa eine schwere Goldmünze von Kaiser Konstantin dem Großen (285-337). Geprägt wurde sie mehrere hundert Jahre bevor sie 2.000 Kilometer entfernt in Vindelev vergraben wurde. Dieses Objekt erzählt davon, wie eng schon in der Spätantike der europäische Kontinent verbunden war durch Handel und Krieg.

Die Objekte werden noch gründlich untersucht. Sie könnten weitere Erkenntnisse über die Vorfahren der Wikinger in Dänemark liefern. Foto: Vejle Museums.

Eine unruhige Zeit

Viele Goldfunde in Skandinavien datieren in die Mitte des 6. Jahrhunderts n. Chr.; im Jahr 536 brach ein Vulkan aus und führte zu einer weltweiten Klimakatastrophe, in deren Folge es über Jahre zu Missernten und Hungersnöten kam. Die vorläufige Untersuchung des Schatzes deutet darauf hin, dass auch dieser Fund in dieser chaotischen Zeit vergraben wurde. Vor wenigen Jahren hatten Archäologen des Vejlemuseerne einen anderen Goldschatz aus derselben Epoche auf der kleinen Insel Hjarnø im Horsensfjord ausgegraben. Die Forscher vermuten, dass die Klimakatastrophe von 536 n. Chr. die Bewohner des heutigen Dänemark dazu trieb, sich gegen ihre Oberschicht zu erheben, so dass viele damals ihre Goldschätze vergruben – entweder um sie vor Feinden zu schützen, oder um die Götter zu besänftigen. Manche Forscher glauben auch, dass die Grundlagen der Wikingergesellschaft und eines geeinten dänischen Königreichs in genau dieser Epoche liegen. Bis heute wurden über 40 kg Gold aus der Eisenzeit gefunden, doch Größe und technische Details des Vindelevhortes sind absolut einzigartig und platzieren den Fund ganz an der Spitze dieser Funde.

Die Objekte des Horts werden nächstes Jahr in einer Ausstellung gezeigt. Foto: Vejle Museums.

Ausstellung nächstes Jahr

Weniger als ein halbes Jahr soll es dauern, bis der Vindelevhort im Rahmen einer großen Wikingerausstellung im Vejlemuseerne gezeigt wird. Die Ausstellung eröffnet am 3. Februar 2022 und thematisiert die Verbindungen Harald Blauzahns in den Osten und die Entstehung des Königreichs Dänemark, als das Haus Jelling herrschte. Durchgeführt wird sie in Zusammenarbeit mit dem Moesgaard Museum, das eine Ausstellung über andere Aspekte der Wikingerfahrten in den Osten zeigt.

 

In dieser Serie erfahren Sie mehr über Hortfunde und warum es sie gibt.

Kennen Sie das Münzkabinett des dänischen Nationalmuseums?

Hier sehen Sie ein kurzes Video (auf Dänisch) zu der Entdeckung des Schatzes:

 

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