2-Euro-Raritäten Teil 2: Die Gemeinschaftsausgaben

Die erste von bisher vier Gemeinschaftsausgaben. Foto: Angela Graff.
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Nachdem wir uns im ersten Teil der Serie mit der Einführung der 2-Euro-Gedenkmünzen beschäftigt haben und die erste dieser Ausgaben bereits besprochen wurde, werden wir uns in diesem Artikel Gesamtausgabe 2 bis 4 genauer anschauen.

Von allen vier Gemeinschaftsausgaben gibt es colorierte Stücke im Handel. Doch damit nicht genug – es werden auch Stücke angeboten, die zusätzlich vergoldet wurden. Mögen sie auch zu schön aussehen, lassen Sie lieber die Finger davon. Alles ist Humbug, Quacksalberei und teuer. Zwar sind die dazu verwendeten Münzen echt, doch nach der „Verschönerung“ haben sie ihren Wert als Münze verloren. Trotzdem existieren einige Ausnahmen, bei denen es sich um Farbmünzen mit offizieller Erlaubnis handelt.

2. Gemeinschaftsausgabe „10 Jahre Wirtschafts- und Währungsunion“ 2009

An dieser Jubiläumsausgabe beteiligten sich 16 Ausgabestaaten (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Zypern). Deutschland prägte in allen fünf Prägestätten (A-J). Damit umfasst die Ausgabe insgesamt 20 Münzen.

Bereits im November 2007 war beschlossen, dass eine weitere Gemeinschaftsausgabe zum Thema „10 Jahre Wirtschafts- und Währungsunion“ (WWU) geprägt wird. Fünf Motivvorschläge standen zur Auswahl. Der Entwurf mit einem „Strichmännchen“ von G. Stamatopoulos wurde zum Sieger gekrönt. Das Motiv zeigt eine antike Münze mit einem Strichmännchen und daneben das €-Symbol. Beide zusammen sollen an die Zahl „10“ erinnern. Die Länderbezeichnung, das Kürzel „WWU“ und die einzelnen Daten sind in der jeweiligen Landessprache verfasst. Im Randbereich sind die Europasterne zu sehen und im oberen Bereich der Münze befindet sich die Länderangabe in der jeweiligen Landessprache. Im unteren Bereich befindet sich der Hinweis auf das Jubiläum, für Deutschland steht hier zum Beispiel „WWU 1999-2009“. Weiterhin sind noch die eventuellen staatlichen Münzzeichen (Prägestättenzeichen, Münzmeisterzeichen, etc.) mit eingeprägt.

Besonderheiten

Luxemburg wählte erneut ein Latentbild (Klappbild) von Heinrich (Henri) II., dem Großherzog von Luxemburg. Der gesamte Kern (Pille) zeigt je nach Blickrichtung das Motiv zur WWU oder das Portrait des Großherzogs aus zwei Perspektiven. Es gibt Stücke mit 61 oder 33 Längsrillen im Latentbild und es wurden Unterschiede in der Form der Europasterne gefunden. Unterschiedlich groß sind die Europasterne auch auf den Münzen von Spanien. Colorierte Münzen gibt es offiziell nicht.

Fehlprägungen

Klassische Fehlprägungen wurden bisher nicht bekannt.

Bewertung

Nur selten findet sich solch eine Gedenkmünze im Wechselgeld und wenn doch, handelt es sich vorwiegend um Münzen aus Deutschland. Prägungen aus dem Ausland waren und sind hier kaum zu finden. Die teuersten Stücke der Ausgabe kommen aus Finnland und Irland. Der Preis auf dem Zweitmarkt liegt hier zwischen 6 und 10 Euro. Stücke aus Italien, Malta und den Niederlanden liegen immer noch bei 4 bis 6 Euro. Alle übrigen Länder kosten pro Stück zwischen 3 und 5 Euro. Die fünf deutschen Münzen der Prägestätte D, F, G, J, sind meist ab 3 Euro zu haben. Der Buchstabe A dagegen für 4 Euro. Wer gleich ein komplettes Set mit allen 20 Münzen erwerben will, muss dafür zwischen 75 und 120 Euro investieren. Achten Sie beim Kauf auf jeden Fall auf eine gute Qualität und bevorzugen Sie möglichst prägefrische Stücke. Werden die Stücke gleich in einer Münzkapsel angeboten, umso besser.

Motivseite hier als Beispiel Estland. Foto: Angela Graff.

3. Gemeinschaftsausgabe „10 Jahre Euro-Münzen und Banknoten“ 2012

An der dritten Gemeinschaftsausgabe beteiligten sich insgesamt 17 Ausgabestaaten (Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Zypern).

Hauptbestandteil vom Motiv ist das Euro-Symbol in einer Weltkugel. Die globale Bedeutung der Euro-Währung soll damit symbolisiert werden. Zudem sind Menschen, Wohnhäuser, Windräder, ein Schiff und das EZB-Gebäude dargestellt. Im Randbereich sind die Europasterne zu sehen und im oberen Bereich der Münze befindet sich wieder die Länderangabe in der jeweiligen Landessprache. Im unteren Bereich befindet sich der Hinweis auf das Jubiläum, für Deutschland steht hier zum Beispiel „2002-2012“. Weiterhin sind noch die eventuellen staatlichen Münzzeichen (Prägestättenzeichen, Münzmeisterzeichen, etc.) mit eingeprägt. Deutschland prägte wiederum in allen fünf Prägestätten (A-J). Damit umfasst die Ausgabe insgesamt 21 Münzen.

Besonderheiten

Als weiteres Euroland gab San Marino ebenfalls eine 2-Euro-Gedenkmünze zum Thema aus. Diese Münze, obwohl motivgleich gestaltet, gehört allerdings nicht zur offiziellen Ausgabe der EU-Länder. Luxemburg bediente sich auch bei dieser Ausgabe an einem Latentbild mit dem Portrait des Großherzogs. Colorierte Münzen gibt es offiziell nicht.

Fehlprägungen

Klassische Fehlprägungen wurden bisher nicht bekannt.

Bewertung

Auch diese Stücke finden sich nur mit viel Glück im Umlaufgeld. Auf dem Zweitmarkt werden allerdings ausreichend Münzen in einer guten Qualität und zu annehmbaren Preisen angeboten. Alle Münzen liegen dabei zwischen 3 und 6 Euro. Wer sich das inoffizielle Stück aus San Marino gönnen will, muss dann schon etwas tiefer in die Tasche greifen und ist mit 27 bis 30 Euro dabei. Einen kompletten Satz (21 Münzen), also ohne San Marino, bekommt man schon ab 60 Euro angeboten.

Motivseite hier als Beispiel Lettland. Foto: Angela Graff.

4. Gemeinschaftsausgabe „Dreißigjähriges Bestehen der EU-Flagge“ 2015

An der vierten Gemeinschaftsausgabe beteiligten sich insgesamt 19 Ausgabestaaten (Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Zypern).

Im Jahre 2014 wurde bekannt, dass die vierte Gemeinschaftsausgabe das Thema „Dreißigjähriges Bestehen der EU-Flagge“ haben soll. Auch hier wurde der Sieger aus fünf Vorschlägen ausgewählt. Das Motiv bestimmt die EU-Flagge umringt von Menschen. Die zwölf Sterne stehen dabei symbolisch für die Menschen, die die Geburt eines neuen Europas begrüßen. Im rechten oberen Bereich befindet sich wieder die Länderangabe in der jeweiligen Landessprache und der Hinweis auf das Jubiläum „1985-2015. Weiterhin sind noch die eventuellen staatlichen Münzzeichen (Prägestättenzeichen, Münzmeisterzeichen, etc.) mit eingeprägt. Deutschland prägte wiederum in allen fünf Prägestätten (A-J). Damit umfasst die Ausgabe insgesamt 23 Münzen.

Besonderheiten

Es gibt Münzen mit einer offiziell genehmigten Farbauflage aus Frankreich und den Niederlanden, die aber in einer speziellen Prägeart (Stgl. und PP) hergestellt und danach in Kapseln, Etuis oder Foldern verkauft wurden. Es ist durchaus möglich, dass solche Verpackungen geöffnet wurden und die Münzen in den Umlauf kamen. Luxemburg bediente sich auch bei dieser Ausgabe an einem Latentbild mit dem Portrait des Großherzogs.

Fehlprägung, aus BUNDESREPUBLIK wurde BUNDESREPUBUK. Foto: Angela Graff.

Fehlprägungen

Auf den deutschen Münzen kam es bei allen Prägestätten zu einer Fehlprägung. Im Wort „BUNDESREPUBLIK“ haben sich bei einigen Münzen die zwei Großbuchstaben L und I zum U verschmolzen, sodass nun BUNDESREPUBUK zu lesen ist. Beabsichtigt war dieser kleine Fauxpas keinesfalls, es steckt eher eine prägetechnische Ursache dahinter. Durch den tonnenschweren Druck beim Prägevorgang „fließt“ das Münzmetall praktisch zwischen den beiden Stempeln in die vorgesehenen Vertiefungen hinein. Es kann dabei auf der Oberfläche zu kleinen Anhäufungen von Metall kommen, die gleichzeitig durch den enormen Druck plattgedrückt werden. Dabei können sich einige Details vom Motiv unbeabsichtigt verbinden. In diesem Fall waren es konkret die beiden Buchstaben. Wem so etwas gefällt, der sollte sich solch ein Stück sichern. Aber mehr als 8 Euro sollten Sie dafür nicht ausgeben, denn es gibt sehr viele Stücke davon.

Bewertung

Im Umlaufgeld sind diese Stücke heute kaum zu finden, aber die Zweitmarktpreise sind noch erträglich. Wer hier also noch nicht alle Münzen beisammen hat, sollte schnell handeln. Das teuerste Stück kommt mit 7 bis 9 Euro aus Lettland, alle anderen Münzen – die fünf Prägestätten aus Deutschland inklusive – kosten zwischen 4 und 7 Euro. Für alle 23 Münzen im Satz bezahlt man aktuell zwischen 95 Euro bis 130 Euro.

Welche Besonderheiten und Raritäten die 2-Euro-Gedenkmünzen aus Deutschland bereithalten, erfahren Sie in Teil 3 dieser Serie.

 

Mehr über unseren Autor numiscontrol, alias Reiner Graff, erfahren Sie in unserem Who’s Who.

Einen ersten Überblick zu 2-Euro-Raritäten gab er bereits in diesem Artikel. Besonders beliebt sind zudem seine Beiträge „1871-1909: Zeit der Fälschungen“, „Die Wertentwicklung der ersten Euromünzen des Vatikans“ und „Unentdeckte Schätze bei Umlaufmünzen“.

Der Sammelexperte hat es sich zur Aufgabe gemacht, gerade Anfänger an die Welt der Münzsammlungen heranzuführen – hier finden Sie seine „Grundlagen für Sammler“ sowie seine Serie „Münzpflege leicht erklärt“.