San Marinos neues Museum für Münzen und mehr

San Marino hat nun ein völlig neues Museum, das die Geschichte des Zwergstaates anhand seiner Münzen und Briefmarken illustriert – und jede Menge weiteres spannendes Material heranzieht. Foto: Simone Maria Fiorani.
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Am Donnerstag, dem 8. Juli, wurde das Band feierlich durchschnitten und San Marinos neues Briefmarken- und Münz-Museum eingeweiht. Anwesend waren die beiden gleichberechtigten Staatsoberhäupter, die sogenannten Capitani Reggenti Marco Nicolini und Giancarlo Venturini sowie die Staatssekretäre Andrea Belluzzi (Bildung und Kultur), Stefano Canti (Umwelt) und Massimo Andrea Ugolini (Justiz). Um 17.30 Uhr öffneten sich dann endlich die Pforten des Museums, mehr als zwei Jahre nachdem das Projekt – das in der Pandemie vorangetrieben wurde – begonnen hatte.

Die Capitani Reggenti der Republik San Marino Giancarlo Venturini und Marco Nicolini durchschneiden feierlich das Band und weihen damit das Briefmarken- und Münzmuseum ein. Rechts der Staatssekretär für Bildung und Kultur Andrea Belluzzi. Foto: Simone Maria Fiorani.
Zahlreiche Besucherinnen und Besucher freuten sich, das neue Museum besichtigen zu können. Foto: Simone Maria Fiorani.
Der Architekt Mirco Semprini hat die Umgestaltung des Gebäudes und die Einrichtung der Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit den anderen Experten betreut. Foto: Simone Maria Fiorani.

Die Ausstellung mitten in der historischen Altstadt auf dem Monte Titano an der Piazzetta Garibaldi erstreckt sich über zwei große Säle von insgesamt über 700 Quadratmetern. Nach über zwei Jahrzehnten erhält San Marino eine Institution, die ein identitätsstiftendes Zeichen setzt, indem die Geschichte des kleinen Staats anhand zweier besonderer „Botschafter“ erzählt wird: durch Münzen und Briefmarken.

Die Besucher erwarten allerdings nicht nur diese Objekte in dem suggestiven Parcours, dessen architektonische Ausgestaltung und Möblierung von dem Architekten Mirco Semprini betreut wurden. Es sind auch Dokumente und Objekte zu sehen, die bislang unbekannt waren oder falsch gedeutet wurden. Inhaltlich betreut hat die Ausstellung Roberto Ganganelli, der nach dem unerwarteten Tod des philatelischen Experten auch den Teil der Ausstellung betreute, der sich der Postgeschichte widmet.

San Marinos erste Münze, das 5 Centesimi von 1864 ist hier ausgestellt neben einer Medaille (und den dazugehörigen Originalprägestempeln), die die Konvention mit Italien von 1862 feiert. Foto: Simone Maria Fiorani.

San Marinos reiche numismatische Geschichte

Man unter anderem Vorlagen von Münzen und Briefmarken bestaunen, gefertigt in Bronze und Gips. Wunderbar sind die Vorlagen für Goldmünzen von 1925, teilweise Leihgaben der Erben des Künstlers Melchiorre Fucci. Ebenso die der Münzen aus den 1930er Jahren und der jüngeren Lire, Scudi und Euro-Münzen, die von bekannten Künstlern stammen wie Bino Bini, Guido Veroi oder Laura Cretara. Man findet in der Ausstellung extrem seltene Proben, Projekte und Kuriositäten von Privat-Tokens des „Circolo 5 febbraio“ bis hin zu prächtigen antiken Auszeichnungen des Ordens von San Marino und Sant’Agata.

Unter den Schätzen der philatelischen Abteilung befinden sich vollständige Bogen der „Lira rossa“ und der „Lira azzurra“. Unike Exemplare, die bisher kaum einmal ausgestellt worden sind. Foto: Simone Maria Fiorani.

Geschichte im Briefmarkenformat

Parallel dazu präsentiert sich die philatelische Abteilung. Die Briefmarkenausgaben sind systematisch und chronologisch geordnet von den Anfängen bis in die 1950er Jahre. Ergänzt werden sie von Skizzen, Entwürfen und nie umgesetzten Projekten, sogar von Künstlern wie Rodolfo Viola, Aligi Sassu und Giacomo Manzù. Sie machen aus dem Museum die reinste Kunstgalerie für das 20. Jahrhundert. Texte und Bilder leiten die Besucher so durch die Geschichte und die Traditionen San Marinos und zeigen das wechselvolle Verhältnis des kleinen Staates zum Rest der Welt.

Der Verantwortliche des Ausstellungsprojekts, Roberto Ganganelli, zeigt den Capitani Reggenti der Republik in einer privaten Führung die numismatische Abteilung. Foto: Simone Maria Fiorani.

Historische Objekte von Garibaldi bis Nixon

Unter den historischen Objekten finden sich Stücke, die in Verbindung stehen mit Garibaldi (dem San Marino letzten Endes seine Existenz verdankt), etwa eine Pistole des italienischen Nationalhelden. Hier sieht man auch ein rares Paradeschwert eines Capitano Reggente, Gesteinsproben vom Mond (ein Geschenk des US-Präsidenten Nixon), von handschriftliche Dokumente, etwa von Bruno Reffi zu einer Medaille auf Gianni Vidmer, der als erster Flieger in San Marino landete. (Das Medaillenprojekt wurde dann allerdings nie umgesetzt.) Es gibt viele Alltagsobjekte, die die Wirtschaft San Marinos im 19. und 20. Jahrhundert illustrieren und den gleichzeitigen Umlauf von italienischem Geld erklären.

In der philatelischen Abteilung sind die ersten Vitrinen der ersten Briefmarke der Geschichte gewidmet und den Vorläufern der Postwertzeichen San Marinos: Unterschiedliche Objekte ergänzen in dem Museum Briefmarken und Münzen. Foto: Simone Maria Fiorani.

Eine Ausstellung für alle: vom Touristen bis zum Profi

Roberto Ganganelli hat sich entschieden, die Ausstellung so anzulegen, dass sie Emotionen anspricht, dabei aber auch Wissen vermittelt und sich somit an Experten, aber auch an Anfänger wendet – und sogar an Touristen, die dadurch auf eine Reise mitgenommen werden durch die Geschichte San Marinos, zu seinen historischen Persönlichkeiten und seinen Symbolen.

Doch diese Reise wird keineswegs dauerhaft gleich bleiben. In beiden Abteilungen werden die ausgestellten Objekte wechseln und so vor allem die moderne Geschichte der Münzprägung und der Post immer wieder neu und anders illustrieren.

Auch richtige Sonderausstellungen sind geplant: Zur Zeit kann man in der numismatischen Abteilung eine Medaillensammlung des Künstlers und Medailleurs Emilio Greco bewundern – stilecht präsentiert in einem eigens restaurierten Münzkabinett des 19. Jahrhunderts aus dem Museo di Stato.

Die philatelische Abteilung feiert aktuell die Carabinieri, die vor genau hundert Jahren in San Marino einen Polizeiposten eröffneten. Dafür hat die italienische Post eine Sondermarke herausgegeben.

Das Museum mit seiner modernen und funktionalen Einrichtung soll auch für Konferenzen und Sonderausstellungen genutzt werden. Foto: Simone Maria Fiorani.

Große Pläne für die Zukunft

Der Staatssekretär Andrea Belluzzi sagte: „Das Leben des Briefmarken- und Münz-Museums hat gerade erst begonnen und im nächsten Schritt werden wir diese eben eröffneten Räumlichkeiten auch für Veranstaltungen, Konferenzen und didaktische Projekte öffnen.“ Als „wichtiges Ergebnis“ lobte der Direktor der Kulturinstitute Vito Testaj dieses neue „Kulturangebot von San Marino“. Er hofft, dass in der Zukunft ein weiteres wegweisendes Museum völlig neu gestaltet werden kann, nämlich das Museum für historische Waffen in der „Seconda Torre“.

„Auch wenn man zum ersten Mal nach San Marino kommt“, sagte der wissenschaftliche Kurator Roberto Ganganelli in der Pressekonferenz, „könnte man nur das Museum für Briefmarken und Münzen besuchen.“ Allein mit dieser umfassenden Ausstellung von Münzen, Medaillen, Siegeln und Prägestempeln, die bislang im Staatsarchiv verwahrt wurden, mit den Dokumenten, den Bildern und anderen Objekten, wird ein Fenster aufgestoßen, das einen faszinierenden Blick gewährt auf die Geschichte San Marinos.

Im selben Gebäude befindet sich jetzt auch eine Touristeninformation und ein neu gestalteter Verkaufspunkt des Staatlichen Amtes für Philatelie und Numismatik, wo Touristen und Besucher neuausgegebene Münzen und Briefmarken San Marinos kaufen können.

Geöffnet ist das Museum täglich von 9.30 Uhr bis 18.30 Uhr.

 

Das Museum finden Sie auf der Seite der Staatlichen Museen San Marinos.

Und das Briefmarken- und Münz-Museum ist auch bei Facebook.

Falls Sie mehr über den Kurator der Ausstellung erfahren möchten, wir haben Roberto Ganganelli auch in unserem Who’s who vorgestellt.

Die Geschichte San Marinos ist naturgemäß eng verwoben mit der des Staates Italien. Über Italiens Geschichte und Münzen erfahren Sie mehr in unserer Serie „Von der Lira zum Euro: Italiens Geschichte in Münzen“.